Über den Salkantaypass zum Machu Picchu

Über den Salkantaypass zum Machu Picchu

Anreise

Der letzte Höhepunkt unserer Reise sollte der Salkantay Trek mit dem Ziel Machu Picchu sein. Wir waren ziemlich positiv eingestellt, nachdem uns die Wanderungen im Sacred Valley auf 4000m nicht wirklich zugesetzt hatten.

Um 4 Uhr morgens ging es los und wir wurden bei unserem Hotel abgeholt. Diese frühe Uhrzeit ist normal bei Touren in Cusco, da man zuerst kreuz und quer durch die Stadt fährt und Leute abholt, die oft zu spät kommen. Es ist ein bisschen wie im Militär, wo man möglichst früh aufsteht, um dann irgendwo 2 Stunden in der Kälte auf andere zu warten. Leider waren wir die ersten und schon beim zweiten Abholpunkt tauchten unsere Gspänli nicht auf. Der nächste kam dann ein wenig verspätet und als er nach dem Pass gefragt wurde (ohne den kommt man nicht in Machu Picchu rein), sprintete er ins Hotel zurück. Nach einer Viertelstunde tauchte er wieder auf, leider ohne Pass. Er durchsuchte dann sein riesiges Gepäckstück und fand ihn dort auch tatsächlich. 🙂 Nach etwas mehr als einer halben Stunde wurde dann auch der letzte gefunden. Interessanterweise hatte es nicht genug Plätze in unserem Bus aber das schien normal zu sein. Sie trieben dann noch einen kleinen Transporter für den Rest der Mitfahrer auf.

Nach 2 Stunden Fahrt erreichten wir Mollepata, wo man in einem Restaurant ein Frühstück bestellen konnte. Wir hatten glücklicherweise ein Take Away Frühstück von unserem Hotel bekommen und kauften uns einen Kaffee dazu. Darauf wurden wir von einigen Koffeinsüchtigen ganz neidisch angesprochen, woher wir denn den her hätten.

Von unserem Gepäck durften wir maximal 7kg an Maultiere abgeben, wobei der Schlafsack schon mal 2kg davon wegfrass. Andere Passagiere hatten weniger Glück und hatten nur maximal 5kg Gepäck und ihr gemieteter Schlafsack wog bereits 4kg. Eine Amerikanerin kam gut vorbereitet mit einem 14kg Zusatzgepäck… Da hätten wir gleich unser gesamtes Gepäck der 8 monatigen Reise mitbringen können. Wir merkten dann aber schnell, dass dies wahrscheinlich ihre erste Mehrtageswanderung war.

Erste Wanderung (Bilder)

Nach einer weiteren Busfahrt durften wir endlich loslaufen. Zuerst wurden noch Gruppen gebildet und natürlich wurden wir einer sehr heterogenen Gruppe zugeteilt. Ein Deutscher versuchte sich noch in eine andere Gruppe zu verkriechen (mit jüngeren Leuten) aber es funktionierte nicht, da wir bereits eingeteilt und auf einer Liste verzeichnet waren.

Die erste Wanderung dauerte nur 3 Stunden und es ging moderat bergauf. Leider mussten wir alle 20 Minuten eine Pause machen, da eine brasilianische Reisegruppe und die Amerikanerin nicht fit waren und mit der Höhe zu kämpfen hatten. Somit wurde unser Rhythmus regelmässig gebrochen. Wir wurden wieder einmal dafür bestraft, dass wir gut vorbereitet waren. Wir beschwerten uns beim Guide und fragten ihn, ob wir durchlaufen können. Er hatte leider seine romantische Vorstellung von unserer Gruppe als eine Familie und meinte wir müssen zusammenbleiben und sollen doch Verständnis für die Schwächeren haben (Sie waren schlecht vorbereitet und nicht akklimatisiert an die Höhe. Und das obwohl die Details der Tour lange im Voraus bekannt waren. Das ist nicht schwach, das ist dumm.). Als wir entgegneten, dass wir kein Problem mit langsamer laufen haben aber dann doch bitte kontinuierlich, wurde er genervt und meinte wir müssen warten. Das fing ja gut an!

Humantaysee

Auf 3900m durften wir unser erstes Zelt beziehen und anschliessend ein köstliches Mahl geniessen. Wir waren überrascht ab der Qualität des Essens. Unser Koch lief jeweils mit den Maultieren vor uns rauf und kochte dann für unsere Reisegruppe von 17 Personen.

Am Nachmittag durften wir selbständig zum Humantaysee auf 4200m laufen. Das ist eigentlich nur ein Bergsee mit schönem Panorama aber war auch als Test gedacht für denn 400m höher liegenden Salkantaypass, den wir am folgenden Tag besteigen sollten. Die Brasilianer mieteten Maultiere um den See zu erklimmen. Die Amerikanerin überzeugte mit Willensstärke, kam aber erst knapp vor dem Eindunkeln total fertig zurück.

Salkantaypass

Pünktlich um 5 Uhr morgens wurden wir mit einem Cocatee geweckt. Der Tee soll gegen die Höhenkrankheit helfen, da er die Durchblutung fördert. Die Höhenkrankheit ist eigentlich nur eine zu tiefe Sauerstoffsättigung des Blutes, da der Luftdruck in der Höhe abnimmt. Somit ein ähnliches Problem wie beim Tauchen, wo man zu viel Stickstoff aufnimmt. Leider ist der Tee bzw. das Cocablatt in Verruf geraten, da es zur Kokainherstellung verwendet wird. Das Blatt selber hat jedoch keine berauschende Wirkung, trotzdem ist es verboten, es in Europa einzuführen.

Beim Frühstück erfuhren wir, dass sich 3 der Brasilianer für ein Maultier entschieden hatten, das sie den Berg hochbrachte. Wir hatten ziemlichen Respekt vor dem zweiten Tag, da uns beim Briefing erklärt wurde, dass wir etwa 10 Stunden wandern würden. Wider erwarten machte uns aber die Höhe nicht viel aus und wir kamen schnell vorwärts, was leider auf einen Teil unserer Gruppe nicht zutraf, so dass wir wieder oft warten mussten. Unterwegs trafen wir einen Franzosen, den wir auf unserer Tour zum Regenbogenberg kennengelernt hatte. Er machte die Tour auf eigene Faust. Er nervte sich tierisch über die Maultiere, die einen jeweils vom Pfad wegdrängten. Wir selber durften aber nicht zu wütend sein, da sie unser Essen, unsere Kleider und unsere Zelte den Berg hinaufbuckelten.

Nach 2-3 Stunden waren wir dann bereits auf dem Pass, wo wir die schöne Aussicht genossen. Der Salkantayberg ist auch schon ziemlich gezeichnet vom Klimawandel, so dass das ewige Eis nicht mehr so ewig ist und man viele Felsen sieht. Nach zahlreichen Fotos wollte uns Virgilio, unser Guide, etwas über die Inkas und die Energien des Berges erzählen. Nach 20 Minuten realisierte er, dass wir alle froren, und liess uns ziehen, obwohl die Amerikanerin immer noch nirgends zu sehen war. Jaime, der Assistenzguide, wurde abkommandiert um mit ihr hochzulaufen.

Beim Abstieg machten wir noch einen Schwenker zu einem weiteren Bergsee, bevor es dann runter zum nächsten Camp für das Mittagessen ging. Wir trafen noch ältere Biker, die mühsam ihr Velo den Pass hinaufgeschleppt hatten. Sie schienen aber nicht sehr geübt zu sein, so dass sie das Bike wieder einen Teil des Passes hinunterschoben. Beim Mittagessencamp warteten wir wieder eine Stunde bevor es dann feines Essen, wie immer, mit einer Suppe gab. Danach gerieten wir uns wieder einmal in die Haare mit unserem Guide, als er uns nicht loslaufen liess, da wir ja eine Familie seien. Als wir protestierten, meinte er, dass wir nicht für eine Privattour bezahlt hätten und still sein sollen. Nadja entgegnete, dass wir auch nicht für das Rumstehen in der Kälte bezahlt hätten. Nach einer Weile liess er uns dann laufen. Oliver, ein Franzose, meinte, unsere Kultur sei etwas anders als seine, da wir uns beschwerten wenn wir für etwas gezahlt hätten. Als ich unsere Reaktion zu begründen versuchte, meinte er nur dass er mich mag. 😀

La Playa

Der dritte Tag war nicht sehr spektakulär und wir liefen mehrheitlich im Tal rum und wurden ein bisschen über Inkabräuche geschult. Unser Guide war leicht esoterisch angehaucht und schien viel von den Energiesachen der Inkas selber zu glauben. Wir mussten uns auch beim Salkantayberg bedanken für die Energie, die er uns gab. Schade hatten die anderen unserer Gruppe nicht mehr von dieser Energie abbekommen. Unterwegs sahen wir noch Früchte- und Kaffeeplantagen. Jaime erklärte mir, dass der Kaffee hier sehr speziell sei und in die ganze Welt exportiert werde. Das Klima sei einzigartig. Am Anfang dachte ich, dass er eher introvertiert sei aber das lag daran, dass er fast nur Spanisch sprach. Als er realisierte, dass wir ihn verstanden, gab er uns viel mehr Informationen. Auch war er eher der Typ, der konstant laufen wollte, was uns natürlich entsprach.

Weg durchs Tal

Nach dem Mittagessen hätten wir die Chance gehabt, zu heissen Quellen zu fahren aber nach den Erfahrungen in Baños verzichteten wir dankend und genossen die Zeit im Camp.

Llactapapa

Am letzten Tag vor unserer Ankunft beim Machu Picchu machten wir einen Umweg nach Llactapapa, einem Berg mit Sicht auf die Ruinen. Von unserer Reisegruppe waren wir die einzigen beiden und mussten bereits um 4:30 Uhr aufstehen, damit wir um 5 Uhr bereit waren. Am Vorabend war ein Partyabend, was nicht so praktisch für uns war. Wie unter Schweizern so üblich waren wir dann auch pünktlich um 5 Uhr am nächsten Morgen bereit zur Abfahrt am komplett verwaisten Treffpunkt. Es stellte sich heraus, dass unser Guide es nicht so genau nahm mit der Abreisezeit. Sein Wecker klingelte erst um 5:15 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt waren wir kurz davor einfach mal generell alle Guides im Camp zu wecken, da wir nicht genau wussten, wo unser schlief. Als Dankeschön für die Warterei am frühen Morgen haben wir ihm dann das Trinkgeld gestrichen.

Um 5:30 Uhr fuhren wir dann endlich einen Teil des Pfades vom Vortag zurück und starteten von dort aus unsere Wanderung bergauf. Unterwegs sahen wir ein Café, in welchem wir je für 5 Soles (etwa 1.50 CHF) einen leckeren Kaffee bekamen. Generell hatten wir in Peru meistens Glück mit der Kaffeequalität. Jaime quatschte noch ein bisschen mit der Besitzerin und wir bekamen noch einen Teller Avocadobrötchen dazu. Da er uns zu ihr gebracht hatte Aloha enterprise login nordstrom , war es für ihn gratis. Die Peruaner schienen überall Geschäfte zu machen. Er tauschte gleich noch die Nummer mit ihr aus, so dass er weitere Touristen bringen konnte. Beide unsere Guides waren als Freelancer unterwegs, da es besser für sie sei. Wir waren uns sowieso nicht sicher, was für Vorteile eine Anstellung in Peru hätte.

Campingplatz bei Llactapapa mit Aussicht auf Machu Picchu – Leider nicht unserer

Nach 3 Stunden Wanderweg durch den Wald erreichten wir die Inkaruine Llactapapa auf der Bergspitze. Von dort hatten wir eine eindrückliche Aussicht auf Machu Picchu. Leider war es aber an diesem Tag ein bisschen dunstig, so dass wir die Inkastadt nicht komplett klar sehen konnten. Wir trafen auch noch eine Gruppe Franzosen, die ebenfalls ohne Guide unterwegs war. Jaime verkaufte ihnen bei dieser Gelegenheit gleich noch eine Machu Picchu Tour für den nächsten Tag.

Das Mittagessen wurde uns in Hidroelectrica (das Dorf hat ein Wasserkraftwerk und wurde danach benannt) serviert, wo wir die anderen unserer Reisegruppe wieder trafen. Ein paar wenige waren Ziplinen gegangen, was sicher auch cool gewesen wäre. Die Brasilianer hatten ein Taxi genommen und der Rest war zum Dorf gelaufen. Der Weg muss aber ziemlich langweilig und mühsam gewesen sein, da es während geschlagenen zwei Stunden der Staubstrasse entlang gegangen war. Generell war alles sehr trocken und jedes Auto wirbelte für ein paar Minuten Staub auf. Man hatte immer einen ekligen Staubgeruch im Mund und in der Nase. Nach der Stärkung in Hidroelectrica mussten wir noch 3 Stunden den Bahngleisen entlanglaufen nach Aguas Calientes (heisse Quellen – Name des Dorfes direkt am Fusse von Machu Picchu). Bei kleineren Brücken gab es nur den Weg über die Geleise und man hoffte, dass kein Zug kam.

Machu Picchu (Bilder)

Das letzte Mal früh aufstehen war angesagt! Um 4 Uhr mussten wir Richtung Startpunkt loslaufen, damit wir uns bereits in die Schlange einreihen konnten. Das Tor wurde zwar erst um 5 Uhr geöffnet, doch bereits um 4:20 Uhr waren 50 Leute vor uns in der Schlange bei kompletter Dunkelheit. Leider hatten wir die Kaffeefrau nicht gesehen, die uns Kaffee hätte verkaufen können, so standen wir mürrisch wartend in der Schlange.

Anstehen vor der Brücke um 4:20 Uhr

Etwas nach 5 Uhr schafften wir es durch den Eingang und liefen während etwas weniger als einer Stunde 1400 Inkatreppen hinauf. Wir spürten die Strapazen von den letzten Tagen und den fehlenden Schlaf deutlich, so dass es anstrengender war als erwartet, obwohl Machu Picchu nur auf 2430m liegt. Oben angekommen warteten wir bis der Eingang um 6 Uhr geöffnet wurde. Mit zig anderen Touristen strömten wir direkt zu den Ruinen um unzählige Fotos und Selfies zu machen. Danach gab es eine Tour von Virgilio, der sich nachher verabschiedete.

Wir machten noch eine Exkursion zum Sonnentor. Je nach Jahreszeit scheint dort die Sonne direkt durch das Tor hindurch auf den Sonnentempel der Machu Picchu Stadt. Der Aufstieg war ziemlich mühsam und wir fühlten uns doch langsam zerstört. Zum Glück hatten wir nicht noch den Machu Picchu Berg gebucht, das wären weitere 1:45h Aufstieg gewesen. Zum Schluss gings noch in Richtung einer nicht fertiggestellten Inkabrücke, die als Fluchtweg vor den Eroberern hätte dienen sollen. Jedoch wurde die Stadt von den spanischen Konquistadoren nie gefunden, weshalb sie auch heute noch zu 60% erhalten ist. Sonst wären wohl ein paar Kirchen darauf gebaut worden.

Inkabrücke – das Holzstück wäre zerstört worden, nachdem alle wichtigen Personen sich in Sicherheit gebracht hatten

Die Stadt wurde 1911 von einem US-Amerikaner wiederentdeckt, der sich ab dem vielen Inkageschirr wunderte, von den in der Nähe lebenden Bauern. So schön freigelegt wie heute war die Stadt natürlich dazumal noch nicht. Auch nahm er etwa 5000 Stücke zu Forschungszwecken in die USA mit, die bis heute noch nicht zurückgegeben worden sind. Auch jetzt finden immer noch Ausgrabungen statt um weitere Teile der Stadt freizulegen.

Durch die Stadtruinen kämpften wir uns danach relativ schnell, da alles ziemlich gleich aussah und wir langsam doch genug hatten von Inkaruinen. Der Abstieg dauerte dann überraschend lange, da unsere Beine nicht mehr im besten Zustand waren. Nach einer Stärkung und einem Kaffee ging es mit dem Zug zurück nach Ollantaytambo, von wo aus wir einen Bus Richtung Cusco nahmen. Wir hatten Pech und bekamen die dümmsten Plätze, auf welchen ich nicht mal meine Füsse gerade halten konnte. Und trotz meiner kleinen Körpergrösse schlug ich bei jeder Strassenunebenheit den Kopf am Dach an. Die Busse waren eindeutig für Südamerikaner genormt worden.

Trotz den Strapazen hat sich der Trek und die Machu Picchu Stadt gelohnt und wir würden es wieder machen. Das nächste mal wahrscheinlich auf eigene Faust, dafür in besseren Unterkünften, in welchen wir auch ein Bett hätten. Dann könnten wir uns das Gewicht des Schlafsackes und des Zeltes sparen und wären trotzdem unabhängig unterwegs.

Letzte Tage in Cusco

Nach den Strapazen genossen wir 3 ruhige Tage in Cusco. Zum Abschluss unserer 8 monatigen Reise haben wir nochmal auf den Putz gehauen und genossen ein Zimmer mit Whirlpool. 🙂 Natürlich durfte auch Souvenirshopping nicht fehlen, da wir ja unseren Rucksack ab jetzt nicht mehr mitschleppen mussten.

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