Tongariro Northern Circuit – Vulkanlandschaft von seiner schönsten Seite

Tongariro Northern Circuit – Vulkanlandschaft von seiner schönsten Seite

Nach einiges an Vorbereitungen in Rotorua (Wolldecken kaufen, Morgen- Mittag- und Abendessen vorbereiten für drei Tage, leichtes Geschirr und Pfanne besorgen) war es dann endlich soweit, wir starteten auf den Tongariro Northern Circuit. Wir entschieden uns gegen einen Schlafsack um Geld zu sparen und auch weil wir ihn nachher nicht mehr gebrauchen konnten. Ausserdem mussten wir bereits einen in den USA kaufen, der Zuhause rumliegt. In den vorangehenden Tagen haben wir immer wieder den offiziellen Wetterbericht für den Tongariro Nationalpark kontrolliert. Es wurde zwar vor den Ausläufern eines Zyklons gewarnt, aber das Wetter wurde als trocken und nicht sehr regnerisch vorhergesagt, womit wir eigentlich ganz gut leben konnten.
Bevor wir uns dann aber auf die Dreitageswanderung in den den Tongariro Nationalpark aufmachten, haben wir uns noch beim lokalen Informationszentrum (I-Site) in Whakapapa detailliert informiert. Dort mussten wir ernüchtert feststellen, dass sie uns von unserer Wanderung abrieten. Am zweiten Tag unserer Wanderung stand das Tongariro Crossing auf dem Plan, da quert man durch einen Vulkankrater (Red Crater) und über den Kraterrand hinaus auf die andere Seite rüber. Das Wetter selbst war eigentlich ok, allerdings wurden wegen dem Zyklon heftige Sturmwinde (75km/h) vorausgesagt, was ein Crossing über den Kraterrand physisch unmöglich machen könnte. Die Frau vom Nationalpark-Informationszentrum bot uns an, die Wanderung entweder zu verschieben (nächstmöglicher Starttermin: 4. April… dann sind wir beinahe schon auf dem Weg nach Australien) oder dann abzusagen und das Geld zurückzubekommen. Beides waren für uns keine valablen Optionen. Die Chancen, über den Kraterrand zu kommen am folgenden Tag, wurden von der netten Dame auf ca. 50% geschätzt. Das schien uns die beste Option, wir entschieden uns, unser Glück zu versuchen.
Der erste Wandertag war sehr gemütlich, wir starteten einem Talboden entlang und es ging nur ganz leicht bergauf mit stetiger Sicht auf Mount Doom aus Herr der Ringe (offizieller Name: Mount Ngaurohoe und heilig für die Maori). Bei der ersten Hütte mussten wir feststellen, dass wir mit dem Mitschleppen des Dusch-Shampoos ein bisschen übermotiviert waren, Duschen gab es bei keiner Hütte im Tongariro-Nationalpark. Da hätten wir uns mal ein Kilo Gewicht sparen können. Ein zweites Kilo unnötiges Gewicht schleppten wir mit dem Abwaschmittel, das gab es nämlich im Gegensatz zu Duschen in jeder Hütte. 😀 Obwohl wir den ersten Tag gut meisterten, hatten wir ein mulmiges Gefühl für den zweiten Tag mit soviel Gepäck. Auch weil wir eine der Hütten auslassen wollten und wir somit einen langen Tag vor uns hatten.
Wegen dem angesagten Zyklon war die voll ausgebuchte Hütte dennoch nur sehr spärlich besetzt. Von den ca. 30 Schlafplätzen wurden gerade einmal 8 belegt. Wir hatten zu dritt einen 11er-Schlafraum für uns alleine. Wir profitierten also von einem sehr reduzierten Schnarchrisiko.
Mit einem wunderschön feuerroten Sonnenuntergang wurde unser Mordor Erlebnis am Fusse des Mount Dooms noch komplettiert. Der Hüttenwart, welcher uns am Abend ein Update über das Wetter lieferte, war sehr nüchtern. Er hat gemeint es kann sein, dass der Wind nicht ganz so stark sein wird wie erwartet, da das Wetter bereits heute einiges besser war als vorangesagt. Sollten wir es allerdings physisch nicht schaffen, die andere Seite des Kraterrandes zu erreichen, dann sollen wir doch einfach umqueren. Es kommt dann ja auch niemand von der anderen Seiter rüber und somit wird es hier noch genügend Betten für alle frei haben. Weiters bekamen wir noch Hinweise, wie wir uns im Falle eines Vulkanausbruches verhalten sollen – RUN! – so die relativ simple Grundaussage. Für den morgigen Tag empfahl er uns direkt nach Sonnenaufgang zu starten, da am Morgen die Prognose besser war. Auch meinte er, etwas gutes habe der schlechte Wetterbericht dann aber doch auch, wegen ihm wurden sehr viele Tagestouren gestrichen und es wird morgen wahrscheinlich eher aussergewöhnlich ruhig auf dem Crossing sein (normalerweise sind die Wanderer unterwegs wie eine Horde Lemminge, einer nach dem anderen).
Gesagt getan, um 7:20 Uhr liefen wir bei der Hütte ab und machten uns auf, den Kraterrand zu queren. Unter einem strahlend blauen Himmel erreichten wir um ca. 9 Uhr den roten Krater und wir waren die ersten Wanderer des Tages. Wir hatten den gesamten Krater für uns alleine und es war einfach unbeschreiblich schön. Nach einigen Fotos in alle Richtungen machten wir uns auf, den Kraterrand zu queren. Um 10 Uhr hatten wir bei immer noch blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein den Kraterrand erreicht. Ja es windete sehr stark, aber die Querung auf die andere Seite war absolut kein Problem. Wie bereits im Krater waren wir auch hier die ersten und einzigen Personen auf der Querung. Das Gefühl ganz oben mit Blick auf die Emerald Lakes, den Blue Lake und zurück Richtung Red Crater und Mount Doom war unfassbar schön. Wir haben erst später vollständig realisiert, was für unglaubliches Glück wir mit dem schlechten Wetterbericht hatten. Und wie selten es vorkommt, dass man sich ganz alleine sowohl im Red Crater wie auch auf dem Crossing befindet. Vor allem bei solch tollem Wetter wie wir es geniessen durften. Wahrscheinlich hätten wir uns nachher nicht beklagen dürfen, wenn es den Rest unserer Zeit in Neuseeland nur noch geregnet hätte. 😀
Der Rest des Tages ist schnell erzählt, hat sich allerdings für uns sehr in die Länge gezogen. Übermotiviert wie wir vor unserer ersten Mehrtageswanderung waren, haben wir mal grosszügig eine Hütte ausgelassen und sind am zweiten Tag direkt weitergelaufen, es waren ja nur vier Stunden extra, da braucht man nicht einen zusätzlichen Tag dafür und als Schweizer werden wir eh schneller sein. Nach ca. 4.5 Stunden (inklusive Querung über Kraterrand) haben wir die erste Hütte erreicht und unser Mittagessen genossen (Farmer, Crackers und je einen Apfel). Es war immer noch sonnig und immer noch sehr windig. Die nächsten drei Stunden fingen dann aber sehr gemütlich an, es ging für 2.5 Stunden bergab, doch dann kam der Haken und alles beten hat leider nichts genützt. Um zu unserer Zielhütte zu gelangen mussten wir nochmals einen Hügel überqueren, das hiess nochmals 300 Höhenmeter hinauf mit ca. 12kg Gepäck nach 7h Wandern. Da habe ich unsere Entscheidung doch ein paar mal verflucht.
Am dritten und letzten Wandertag durch den Tongariro Nationalpark ging es durch ein breites windiges Tal (durch die Lage des Tals relativ zu den Vulkanen war es regelrecht ein Windkanal) über Grasfelder und neben kleinen Flüssen wieder zurück zum Eingang des Parkes in Whakapapa. Auch am letzten Tag blieb uns das Wetter treu und wir konnten die Rundwanderung bei sonnigem Wetter abschliessen. Die Backcountry Hütten waren in sehr gutem Zustand und die letzte war sogar ein richtiger Palast mit riesigen Fensterfronten. Besonders genossen haben wir dabei auch, dass alle Leute in der Hütte relative nahe aufeinander waren und es keinen Natelempfang gab. Dadurch kam man sehr leicht miteinander ins Gespräch und lernte viele interessante Leute kennen. Erstaunlich für uns war dabei, dass nicht nur Touristen diese Tramps machten, sondern auch viele ältere Neuseeländer dabei waren. Weiters muss man auch allen Abfall, den man produziert, wieder aus dem Nationalpark raus mitnehmen. Entsorgungsmöglichkeiten gibt es im Park keine, doch es klappt erstaunlich gut. So macht man sich natürlich gleich viel mehr Gedanken, was man genau mitnimmt, da man von der Dose über jedes Nastuch bis zum Apfelgörpsi alles wieder als Ballast mit sich mittragen wird auf der Wanderung am Folgetag.
Den Tongariro Northern Circuit mit seiner spannenden Vulkanlandschaft haben wir sehr genossen. Das Crossing über den Kraterrand war sehr eindrücklich und ein, wenn nicht DAS Highlight unserer Zeit in Neuseeland. Der Moment ganz alleine zuoberst auf dem Kraterrand war auf jeden Fall ein Erlebnis, dass wir so schnell nicht wieder vergessen werden.

3 thoughts on “Tongariro Northern Circuit – Vulkanlandschaft von seiner schönsten Seite

  1. Oh, so cool that you got to go up there. Pascal and I wanted to do the day hike and left two days in case of bad weather. Unfortunately we were not so lucky as you guys with the weather and were not able to go up on either day!

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