Im Schnellzugtempo einmal um die Südinsel

Im Schnellzugtempo einmal um die Südinsel

Nach unserer Wanderung durch den Abel Tasman Nationalpark war bereits über die Hälfte unserer Zeit in Neuseeland vergangen und für den Rest der Südinsel blieben uns nur noch zwei Wochen Zeit. Viel zu wenig, wie wir bald einmal merken sollten.
Unsere Route führte uns die Westküste der Südinsel hinab. Ziel waren die Pancake Rocks, die beiden Gletscher (Franz-Josef und Fox) sowie die Stadt Wanaka bevor es dann ins Touristenzentrum Queenstown ging. Bei den Pancake Rocks hatten wir Glück mit dem Wetter, den ersten Tag an der Westküste durften wir bei strahlendem Sonnenschein verbringen. Auch am Abend in Franz-Josef (richtig geraten, das Dorf liegt direkt vor dem Franz-Josef Gletscher) war der Himmel noch wolkenlos und wir konnten im Trockenen die Glühwürmchen im Wald bestaunen. Die kleinen Dinger leuchteten so stark, dass es zum Teil wie ein Sternenhimmel wirkte.
Der nächste Morgen begrüsste uns dann nass und regnerisch, den Mount Cook (Berg zu dem der Franz-Josef Gletscher gehört), den man gestern Abend noch sah, war nun in den Wolken verschwunden und zum Gletscher musste man bis auf 750m ranlaufen, damit man den untersten Zipfel noch sehen konnte. Das hiess, wir mussten 0.5h Stunden im Tal entlang nach hinten laufen, um den Gletscher zu sehen. Und ja, habe ich schon erwähnt, dass es geregnet hat? Lange Rede kurzer Sinn, wir habens gemacht, wollten doch mal einen Neuseeländischen Gletscher sehen, beeindruckt waren wir nicht sonderlich. Durch die Klimaerwärmung ist der Gletscher seit 2012 um 80m zurückgegangen und immer noch rapide am Schmelzen. Verglichen mit unseren Schweizer Alpen war das dann doch eher ein Gletscherli. Vielleicht haben wir seine volle Grossartigkeit auch einfach nicht zu Gesicht bekommen, denn durch den Regen haben wir wahrscheinlich nur den untersten Zipfel gesehen. Zurück im Auto mussten wir erst mal die Kleider wechseln. Wir wurden bis auf die Unterhosen nass und der Regen war vor allem mir auch noch den Beinen entlang in die Wanderschuhe gelaufen.
Im unterdessen strömenden Regen fuhren wir dann weiter zum Fox Gletscher, dort hielten wir nicht einmal mehr an. Es regnete aus Kübeln und die Sicht war gleich null. Ausserdem hatten wir mit der Heizung im Auto unterdessen wohlig warm. 😀 Stattdessen machten wir bei einer Lachszucht halt. Dort konnten wir wenigsten im Trockenen ein Lachsbrötchen und einen Kaffee geniessen. Das Tagesziel hiess diesmal Wanaka. Als wir die Westküste verliessen und Richtung Wanaka ins Landesinnere fuhren kam auch die Sonne zurück. Am Abend war der Himmel wieder blau, als wär nie was gewesen. Einzig meine nassen Wanderschuhe blieben als Zeugen.
Das schöne Wetter blieb uns dann aber auch in den folgenden Tagen glücklicherweise erhalten. Während ich mich in Wanaka aufmachte den Roys Peak (1‘578m) zu besteigen, erkundete Daniel während dieser Zeit das Seeufer. Nach dem Abel Tasman hat er sein Knie wieder gespürt und beschlossen, auf die Roys Peak Wanderung, bei der es zuerst kontinuierlich hoch geht bevor man dann alles wieder denselben Weg runter muss, zu verzichten. Die Wanderung war zwar anstrengend und nicht wirklich spannend, der Pfad nach oben war eine Autobahn unter den Wanderwegen. Doch je höher man kam desto besser wurde die Aussicht, bis man ganz zuoberst die 360° Rundumsicht geniessen durfte. Sehr spannend waren dann beim Abstieg die verschiedenen Leute zu sehen, die versuchten den Berg zu besteigen. Der Roys Peak ist eine sehr bekannte Touristenattraktion in Wanaka und lockt deshalb auch viele unerfahrene und untrainierte Leute an. Die asiatischen Wanderer hat man zu 90% nach dem ersten Selfie-Ort etwa in drei Viertel Höhe verloren, die gingen nach erfolgreichem Selfie wieder nach unten. Vorausgesetzt sie kamen überhaupt so hoch. Die Inder kamen mit der ganzen Familie, mussten also ihre Gehgeschwindigkeit den Enkeln und (Ur-)Grosseltern anpassen. Ich denke nicht, dass es die noch nach oben geschafft haben, wahrscheinlich nicht einmal zum Selfie-Punkt. Als ich dann schon wieder zu zwei Drittel abgestiegen war wurde ich von einer ca. 60-Jährigen Dame, die nur mit einer 1.5l Mineralflasche (bereits halb leer) in der Hand unterwegs war, gefragt, ob es denn noch eine Möglichkeit zum Auffüllen gäbe vor dem Gipfel und ob es noch weit wäre. Hmm, nein, es gibt kein Wasser und ja, es ist noch verdammt weit. Sie hat dann gemeint, sie ginge wahrscheinlich nicht bis ganz nach oben. Gute Entscheidung.
Am selben Abend fuhren wir noch weiter nach Queenstown. Dort trafen wir zum Nachtessen Reto Schaller, einen Kollegen von Daniel. Er hat seine Reise im November 2017 angetreten und der Zufall wollte es, dass wir zur gleichen Zeit am gleichen Ort in Neuseeland waren. Reto hat sein Programm dann extra noch so umgestellt, dass wir einen gemeinsamen Abend in Queenstown verbringen konnten. Es war schon ein bisschen surreal, einen Schweizer Kollegen am anderen Ende der Welt wieder zu treffen.
Am nächsten Tag war auch Daniel wieder bei einer Gipfelwanderung mit dabei. Diesmal hiess das Ziel Ben Lomond (1‘748m). Und ja, die Wanderung hatte noch ein paar Höhenmeter mehr als die vom Vortag. Aber es war ein wunderschöner Tag und die Aussicht vom Gipfel konnten wir uns einfach nicht entgehen lassen. Nach 3 Stunden bergauf hatten wir Ben Lomond bestiegen und die 360° Aussicht übertraf unsere Erwartungen noch um einiges. Doch wo man hinauf geht muss man auch wieder runter (ausser man ist in der Schweiz, da nimmt man die Gondel :D). Der Abstieg dauerte weitere 3 Stunden. Beim Abstieg kamen wir noch an einer Art Gokart-Bahn an einem Hang vorbei, diesen Spass durften wir uns natürlich auch nicht entgehen lassen und gönnten uns noch 3 Fahrten. An diesem Abend fielen wir nach dem Kochen todmüde direkt ins Bett. Der Tag danach war Karfreitag und unser Tagesplan (neues Wandershirt kaufen) war super abgestimmt mit dem Oster-Rabatt (30-50%), den es in allen Läden gab. Einen Shopping Tag gab es trotzdem nicht. Das gute an unseren Rucksäcken ist ja, dass wir nur gezielt ersetzen können, da wirklich nichts neues mehr reinpasst.
Unser nächstes Reiseziel auf der Agenda war Te Anau. Unser Hostel lag am äusseren Rande von Te Anau (ok, es lag 10 Autominuten ausserhalb im Nirgendwo und wir hörten die ganze Nacht durch nur die Kühe) und sollte uns als optimaler Ausgangsort für den folgenden Tag dienen. Wir konnten uns lange nicht entscheiden, ob wir lieber eine Schifffahrt im Milford Sound oder eine Tageswanderung auf dem Kepler-Track machen sollten. Nach einigem Hin und Her entschieden wir uns dann kurzfristig doch für die Schifffahrt. Auf der Fahrt in den Milford Sound hat es dann ab und an geregnet und uns kamen erste Zweifel, ob wir die richtige Entscheidung getroffen hatten. Die Statistik besagt, dass es dort an 200 Tagen im Jahr regnet. Aber wie heisst es so schön, keine Regel ohne Ausnahme. Wir hatten tatsächlich einen der anderen 165 Tage erwischt und beim Besteigen des Bootes schien doch wirklich noch die Sonne. Der Milford Sound ist eine imposante Meeresbucht, die von hohen Bergen umgeben ist. An den Hängen sieht man überall wunderschöne Wasserfälle. Da es am Morgen noch geregnet hatte, waren die Wasserfälle besonders stark. Durch den Sonnenschein bildeten sich dann bei den Wasserfällen kleine Regenbögen.
Auf dem Rückweg von Te Anau Richtung Mount Cook (ja, wir versuchten es mit dem verfluchten Berg nochmals, nachdem wir auf der anderen Seite bei Franz-Josef so verregnet worden waren) machten wir einen kurzen Abstecher nach Queenstown. Wir wollten Tandem-Paragliding ausprobieren. Meine grösste Furcht dabei war der Start. Man rennt auf einen Abhang zu und dann soll der Schirm einem tragen. Aber was, wenn er das nicht tut? Dann fällt man einfach über die Klippe. Meine Paragliding Lehrerin hat dann nur gemeint, dass wird nicht passieren, man müsse halt einfach weiter und schneller rennen, wenn der Schirm nicht sofort aufsteht und überhaupt wir seien ja an einem Grashang, nicht an einer Klippe… Ok, klingt vernünftig. Sie hat es dann auch noch mit Statistik versucht: bis jetzt 100% Überlebensrate der Gäste. Am Ende hiess es einfach 3 2 1 rennen und dann waren wir bereits in der Luft. Der Flug dauerte leider nur ca. 20 Minuten. Zwischendrin durfte ich aber kurz auch den Gleitschirm steuern, das war schon noch witzig (für mich auf jeden Fall, meine Lehrerin hat wahrscheinlich gezittert und gebetet während dieser Zeit). Am Ende setzten wir mit akrobatischen Kunststücken elegant zur Landung auf dem Zielfeld an.
Nach dem erfolglosen Versuch an der Westküste Mount Cook von der Franz-Josef Seite her zu sehen, hatten wir unsere Hoffnung auf den Berg noch nicht aufgegeben und wollten ihn von der anderen Seite her nochmals bewandern. Geplant war bis zur Mueller Hütte und zurück zu laufen. Bereits beim Hineinfahren ins Tal peitschte uns aber der Regen schon auf die Windschutzscheibe. Da wir nun aber schon mal hier waren machten wir uns trotzdem auf zur Wanderung Richtung Mueller Hütte. Wir schafften es bis zum Aussichtspunkt Sealys Tarns hoch, dann gaben wir auf. Mit jedem Höhenmeter wurde der Wind stärker und die Temperaturen sanken nach unten. In rekordverdächtigem Tempo haben wir danach den Abstieg hinter uns gebracht. Wieder einmal wurden wir am Mount Cook bis auf die Unterhosen und in die Wanderschuhe hinein nass. Und wieder einmal haben wir den Berg nicht gesehen. Mount Cook hat uns wirklich kein Glück gebracht. Gesehen haben wir den Berg dann schliesslich aber doch noch und zwar im Flieger von Christchurch nach Perth. Beim Überflug hatten wir für einmal wunderschönes Wetter ohne Wolken und mit Sonne. Somit konnten wir sowohl den kompletten Franz-Josef Gletscher wie auch Mount Cook in ihrer vollständigen Grösse betrachten.
Ernüchtert und frisch gewaschen (wir bleiben schliesslich positiv :D) fuhren wir an jenem Tag weiter Richtung Christchurch. Das Tagesziel hiess Ashburton, von wo aus es nur noch eine Stunde Fahrt nach Christchurch war, wo wir am nächsten Tag unser Auto abgeben mussten. Da wir beim Reisen keinen regelmässigen Tagseablauf haben, ist uns auch nie so wirklich bewusst, was es für ein Wochentag ist. Das wurde uns zum Verhängnis, denn es war Ostermontag und die Neuseeländer wollten alle zurück nach Christchurch, wie wir leider auch. Somit kam es an mehreren Orten zu langen Rückstaus und wir hatten am Ende wahrscheinlich etwa zwei Stunden länger für die Strecke als die normalen zwei Stunden.
Die Abgabe des Autos am Folgetag war äusserst unkompliziert, wir hatten Vollkasko und unser Auto war ein 2005 Nissan, der wahrscheinlich nicht einmal mehr versichtert war, so alt und verbeult wie der bereits aussah. Bei der Abgabe mussten wir auf jeden Fall einzig den Schlüssel abgeben und die Sache war erledigt, nicht einmal die Tankfüllung wurde kontrolliert.
Für den Rest des Tages und die Folgetage hatten wir Sightseeing in Christchurch auf dem Programm. Die Innenstadt von Christchurch wurde im Erdbeben von 2011 fast vollständig zerstört (80% der Bauten mussten abgerissen werden wegen Instabilität) und auch jetzt noch, sieben Jahre später, sind viele Strassen und Gebäude noch nicht fertig wiederhergestellt. Im Earth Quake Museum konnte man sich über das Erdbeben und seine Konsequenzen informieren. Dem Beben fielen 183 Menschenleben zum Opfer und man sah berührende Einzelschicksale. Die neu gebauten Gebäude machen nun Werbung an der Fasade mit ihrem Erdbebensicherheitsrating. Alles in allem ist Christchurch immer noch recht leer. Neben dem Botanischen Garten, einigen Kirchen und Kathedralen sowie den üblichen Museen, gibt es hier nicht viel mehr zu sehen.
Auch hier trafen wir wieder Daniel‘s Kollegen Reto und verbrachten einige gemütliche Tage miteinander. Während wir dann aber weiterflogen nach Perth im westlichen Australien, ging es für ihn weiter auf die Südseeinseln Fidschi und Cook Islands.
Am Ende unserer Zeit in Neuseeland, können wir sagen, dass es uns sehr gut gefallen hat. Einerseits von der Landschaft her, andererseits aber auch wegen der Herzlichkeit der Leute und der Kultur allgemein. Am Ende hatten wir für die Südinsel doch zu wenig Zeit. Hier würden wir gerne einmal zurückgehen für eine längere Reise. Dann werden wir uns aber einen Campervan oder ein Motorhome mieten und nur die Südinsel bereisen und uns auch Zeit nehmen für die Great Walks und auch weniger bekannte Mehrtageswanderungen. Eventuell werden wir dann sogar mal Mount Cook und den Franz-Josef Gletscher von Nahem ohne Regen sehen. Es soll vorkommen. 😀

2 thoughts on “Im Schnellzugtempo einmal um die Südinsel

  1. Hi Nadya, we are! We will soon fly to Cairns to dive the Great Barrier Reef 🙂 I just added the possibility to get notifications on new blog posts. Just register yourself on the panel on the right hand side (Benachrichtung bei neuen Beiträgen). Hope that works.

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