Howdy Perth

Howdy Perth

Es war leider schon wieder soweit, wir mussten/durften weiterreisen nach Australien. Am Morgen verabschiedeten wir uns noch von Reto, der noch ein paar Tage in Neuseeland verweilte und danach weiter auf die Cook Islands und Fiji flog. Es war schon super einen Freund am anderen Ende der Welt zu treffen. Leider werden sich unsere Reisewege bis zur Rückkehr in die Heimat höchst wahrscheinlich nicht mehr kreuzen.
Unser 7-stündiger Flug nach Perth war ziemlich kurzweilig, obwohl wir das Entertainment Programm wegen unseres Budgetpreises nur limitiert benutzen konnten. Wir hatten wieder eine 4h Zeitverschiebung in die andere Richtung und waren am nächsten Morgen um 7 Uhr bereits putzmunter. Die Hostelküche öffenete erst um 8 (es war ein Sonntag), also schlugen wir unsere Zeit auf den Sofas tot. Dort traffen wir einen älteren Herrn (sah aus wie 90 aber wir trauten ihn nicht nach dem Alter zu fragen). Wir quatschten ein bisschen mit ihm und ich fragte ihn, ob er gerade Ferien mache. Er lachte und sagte, dass er seit 30 Jahren (also seit seiner Pension) Ferien mache und am Rumreisen sei. Die Regierung gebe ihm jeden Tag ein bisschen Geld (65 AUD – wahrscheinlich seine Pensionskasse). Er versuchte jedes Land der Welt zu bereisen, habe es aber aufgegeben, er habe nicht genügend Zeit, da er „nur“ noch 3 Jahre reisen möchte. Seine Kinder sagten ihm, er müsse endlich mal erwachsen werden 🙂 und in Australien bleiben. Es imponierte mir wie locker er sein Leben meisterte. Sein Bruder starb bei einem Arbeitsunfall; seine Frau verliess ihn (keine Ahnung ob sie starb oder wie sie ihn verliess) und somit musste er für seine dazumal 4- und 7-jährigen Kinder alleine sorgen. Er ging mit ihnen dann Neuseeland bereisen und meinte Hitchhiking (Reisen per Anhalter) sei noch nie so einfach gewesen. Grössere Reisen machte er meistens per Schiff (mitfahren auf einem Frachschiff). Ich erwiderte, dass das ziemlich viel Zeit brauche. Was er bejahte und meinte so 3 Monate aber man müsse sich halt einfach Zeit nehmen dann ginge das schon.
Nachmittags schlenderten wir ein bisschen durch Perth bei sehr angenehmen Temperaturen. In Neuseeland war es am Schluss eher kühl. Im botanischen Garten sahen wir dann prompt unsere erste Schlange. Nach ein bisschen Forschung im Internet stellte sie sich wahrscheinlich als ungiftig heraus. Sowieso gibt es in Australien pro Jahr nicht mehr als 2 Todesfälle wegen Schlangenbissen. Meistens werden Männer gebissen, wenn sie entweder betrunken sind oder die Schlange töten wollen. Also ist man sicher, solange man die Viecher in Ruhe lässt und nicht auf sie drauf steht. Auch wenn es hochgiftige Arten gibt, injizieren sie teilweise kein Gift, sondern beissen nur zur Warnung. Sollte man wider erwarten trotzdem Gift abgekommen, muss man die Schlange fotografieren (nicht versuchen gefangen zu nehmen :-D) und sofort in ein Spital. Auch das Blut absaugen und so Zeugs kann man sich schenken, da das Gift sich nicht über das Blut sondern das Lymphensystem verteilt.
Am nächsten Tag planten wir nach Rottnest Island zu gehen. Um die Reise zu vergünstigen, fuhren wir den ersten Teil mit dem Zug. Leider fanden wir das Fähreterminal nicht gleich und wir verpasst die letzte Fähre. Also machten wir uns einen gemütlichen Tag in Fremantle und gingen das alte Gefängnis anschauen. Dort wurde auch beschrieben, dass viele britische Häftlinge nach Westaustralien gebracht wurden, um ihre Strafe zu verbüssen und ein neues Leben anzufangen. Ohne diese Häftlinge hätte die Infrastruktur niemals gebaut werden können. Deren ersten Auftrag war es, ihr Gefängnis zu bauen :-).
Unser zweiter Versuch am nächsten Tag klappte ein wenig besser. Das Buchungssystem war so mühsam auf dem Smartphone zu bedienen, dass uns die früheren Tickets vor der Nase weggebucht wurden, also hängten wir eine Stunde am Hafen rum aber kamen dann trotzdem noch rüber. Mit 1000 anderen Touristen stürmten wir zu einem Velohändler um ein Velo zu mieten (was für eine Überraschung 🙂 ). Da ihr geniales System zu massiven Stau führte, gaben sie irgendwann auf und die Angestellten füllten die Zettel für uns aus und wir mussten nur noch bezahlen, um stolze Mietvelobesitzer zu werden. Wir radelten dann einmal um die Insel herum, vorbei an wunderschönen Stränden und Buchten. Zum Schnorcheln war es leider schon zu kalt. Unterwegs sahen wir einige Quookas, die Aussehen wie eine Mischung zwischen einem Koala und einem Känguru. Man darf sie weder füttern noch streicheln aber das schienen die Chinesen nicht mitbekommen zu haben und wurden von Touristen mit Zivilcourage immer wieder ermahnt. Am Abend ging es mit dem Bus weiter nach Scarborough Beach, wo unser Surfabenteuer beginnen sollte.
Die 20 Autominuten dauerten im Bus eine Stunde, da er 33 Stops machte. Es fiel uns sowieso auf, dass viele Distanzen in Autominuten beschrieben wurden, da Perth sehr weitläufig ist und man mit dem ÖV sehr lange zum Ziel braucht. Anfangs überlegten wir uns, zur Surfschule zu pendeln, aber das hätte auch immer eine Stunde pro Weg gedauert, auch wenn wir nur 10 Autominuten entfernt gewesen wären.
An Perth gefiel uns diese typische rote Sandfarbe, die auch für alle Gehwege verwendet wurde und das sonnige Klima. Obwohl es die grösste Stadt in Westaustralien ist, merkt man davon fast nichts. Man sieht sehr wenige Leute und wie in Sydney auch viele Asiaten. Es gibt nur ein paar wenige Wolkenkratzer. An vielen Plätzen hat es auch Gratisgrills und Wasser, damit man sich einen gemütlichen Abend machen kann. Wenn man keinen 4×4 Jeep hat, ist man ein Aussenseiter und die Strassen sind auch eher breit gebaut. Verglichen mit Neuseeland ist der Kundenservice einiges weniger freundlich aber nicht mehr so schlecht, wie ich ihn in Erinnerung hatte (vor 10 Jahren). Auch spannend ist der Wandel in den Supermärkten. Vor 10 Jahren wunderte ich mich noch, dass es sich rendierte Einpacker wie in den USA einzustellen. Jetzt gibt es auch schon Selfcheckouts und je nach Supermarkt zahlt man für die Plastiktaschen. Vielleicht hat das auch mit dem Aldi zu tun, der in Australien auch schon Fuss gefasst hat und wohl eine sehr starke Konkurrenz ist. Wie in der Schweiz wird stark damit geworben, wenn ein Produkt vom lokalen Markt ist und gibt sogar in % an, welcher Produktanteil aus Australien stammt. Ich erinnere mich noch an eine TV Sendung vor 10 Jahren, in der diskutiert wurde, ob man ausländische Ketten überhaupt zulassen soll. Anders als in der Schweiz, wo vieles als rassistisch gilt, macht man es hier einfach. Trotzdem ist die Kultur sehr offen und man kommt problemlos mit Australiern ins Gespräch oder sie mit dir. Als Deutscher, Franzose oder Engländer kommt man problemlos an ein Work and Holiday Visa, welches einem erlaubt in Australien zu arbeiten. Meistens sucht man sich dann einen Mindestlohn Stundenjob (z.B. als Handlanger auf dem Bau, Tellerwäscher oder sowas). Wohl aus diesem Grund trifft man extrem viele Deutsche in Australien und auch Neuseeland an. In jedem Hostel hört man Deutsch. Als Schweizer ist man für einmal ein Aussenseiter und nicht so stark vertreten :-).
Morgens liefen wir dann in Scarborough jeweils gemütlich zum Strand, wo wir Keith (Besitzer der Surfschule) und seine Crew trafen. Alle waren sehr positiv eingestellt und es herrschte eine gute Stimmung. Wir kriegten Anfängerboards und ein farbiges Leibchen. Pro Tag Surfen kriegt man eine andere Farbe, so wie ein Gürtelsystem im Karate aber man muss nichts bestehen. Nach 2.5 Stunden Meerwasser trinken und etwa eine halbe Sekunde auf dem Brett stehen war der Tag zu Ende. Als Belohnung kriegten wir ziemlich Muskelkater am nächsten Tag. Am zweiten Tag hatten wir schlechte Bedingungen und es war ziemlich mühsam aber wir waren gewarnt worden, hatten aber keine Möglichkeit mehr umzubuchen. Trotzdem hatten wir Spass und wir konnten das erste mal eine starke Strömung fühlen und mit welcher Kraft sie an einem zieht. Während den nächsten 3 Tagen kriegten wir immer ein bisschen kleinere und härtere Boards und es ging immer wie besser. Wir sind jedenfalls immer noch ein bisschen euphorisch und wollen wieder mal surfen, obwohl wir nur die weissen Wellen surfen „können“ und nur leicht navigieren.
Unser nächstes Highlight wird eine 22-tägige Camperreise zum Ningalooriff und zurück nach Perth sein, wo wir wieder einmal die Unterwasserlandschaft bestaunen werden. Bilder sind hier verfügbar.

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2 thoughts on “Howdy Perth

    1. Danke (-:
      Trotzdem ist die ÖV der Schweiz 1000x besser. An einen so kleinen Ort wie Egliswil kämst du gar nicht in Australien.

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