Einblicke in die Vielfalt von Kolumbien (Teil 2)

Einblicke in die Vielfalt von Kolumbien (Teil 2)

Bogotá – Haupstadt von Kolumbien auf 2640m.ü.M.

Anreise per Bus von Medellin

Unser Bus von Medellin nach Bogota fuhr überraschenderweise tatsächlich beinahe pünktlich ab. Und für kolumbianische Verhältnisse ist eine Verspätung von nur 5 Minuten wirklich eine Meisterleistung. Die Reise dauerte geschlagene 11 Stunden. Nicht, weil die Distanz so weit war, sondern weil wir auf etwa 1500m.ü.M. begannen und über kurvige Strassen, ohne Tunnels und Autobahnen, mit vielen Lastwagen auf 2640m.ü.M. ins Andenhochgebirge hinauffuhren. Die Busse waren einigermassen modern und ausgerüstet mit Toilette und Wifi (das ab und an sogar funktionierte). Als spezielle Unterhaltung hatten wir noch 3 Jugendliche an Bord, die doch tatsächlich während der Fahrt auf der Toilette kifften. Einer der Idioten hat es geschafft, dass die Türe sich während seiner Kifferei öffnete und es der ganze Bus mitbekam, dass er am Kiffen war. Einer unser Busfahrer war allerdings nicht viel besser. Er knallte während der Fahrt im Schlafraum der Chauffeure eine Mitfahrerin. Unterhaltung pur, wenn wir schon keinen Fernseher an Bord hatten.

Goldmuseum

Darstellung in Gold von einem Opfergabenritual

Wenn es eine Sehenswürdigkeit in Bogota gibt, die man gesehen haben sollte, dann ist es das Mueso del Oro (das Goldmuseum). Es steht mitten im Zentrum von Bogota und erstreckt sich über drei Stockwerke. Die Ausstellungsstücke gehören der Nationalbank von Kolumbien und diese stellt sie der Bevölkerung im Museum zur Ansicht zur Verfügung. Der Eintritt ist für alle erschwinglich (ca. 2 CHF pro Person) und jeden Sonntag ist er sogar frei. Man muss aber schon hart im Nehmen sein, wenn man die zwei Franken sparen möchte. Wir besuchten das Museum an einem Samstag und es hatte bereits extrem viele Touristen und Familien.
Im ersten Stock des Museums lernt man die Geschichte des Goldes in Kolumbien kennen und sie erklären einem Techniken, welche man früher verwendete um Goldkunststücke herzustellen. Im zweiten Stock findet man dann zahlreiche Ausstellungsstücke (nicht nur aus Gold, sondern auch aus Ton) – diesen Stock haben wir ziemlich effizient hinter uns gebracht. Der dritte Stock beherbergt dann noch mehr Erklärungen zur Bedeutung des Goldes für die Einwohner von Kolumbien, sowohl von früher als auch von der heutigen Zeit.

Galerie zum Goldmuseum

Free Walking Tour

Da wir typische Gewohnheitstiere sind, blieben wir unserem Verhalten natürlich treu und besuchten auch in Bogota eine Free Walking Tour. Der Guide hatte allerdings ein schweres Los. Die perfekte Tour von Medellin hat unsere Erwartungen extrem in die Höhe geschraubt. Die Tour hat uns dann auch nur mässig beeindruckt. Der Guide hat „nur“ die letzten 7 Jahre in Bogota verbracht, ist aber in Montreal (Kanada) aufgewachsen. Man merkte, dass er die Schreckenszeit unter der Drogenherrschaft nicht selber miterlebt hat und seine Erzählungen waren uns zu undifferenziert. Er versuchte Fan von Kolumbien zu sein, ohne die (offensichtlichen) Nachteile zu nennen, was nicht sehr authentisch wirkte.

Galerie zur Free Walking Tour

Öffentlicher Verkehr

Am Abend versuchten wir dann per UBER zurück zum Hotel zu kommen. Schafften es aber nicht, eines zu bestellen. Einfach ein Taxi von der Strasse heranwinken sollte man in Bogota auch nicht, denn dann wird die Fahrt nicht überwacht und man könnte in einer dunklen Ecke ausgeraubt werden. Also haben wir zwangsweise den Bus genommen, was erstaunlich gut klappte. Zumindest das Ticketlösen und Einsteigen in den richtigen Bus verlief ohne Probleme. Leider hat der Bildschirm im Bus, welcher die Stationen anzeigte, nur etwa jede zehnte angezeigt, was wir nicht wussten. Als Konsequenz unserer Unwissenheit sind wir dann bei einer nicht angezeigten Station rausgelassen worden (Calle 86 statt 94 – die Strassen in den kolumbianischen Städten sind alle durchnummeriert). Wir standen wahrscheinlich zu früh bei der Tür, da wir unsere Station nicht verpassen wollten, der Fahrer hat dann gemeint wir wollten raus und hat angehalten. Resultat: Wir mussten dann noch 30 Minuten zu Fuss zurück zum Hotel laufen. Glücklicherweise befanden wir uns in einem sicheren Quartier und fanden eine belebte und beleuchtete Strasse, der wir entlang laufen konnten.

Salzkathedrale von Zipaquira

Trotz unserem Busfail vom Vortag nahmen wir am nächsten Tag den Bus um zur Salzkathedrale in Zipaquira (ca. 1 Stunde ausserhalb von Bogota) zu gelangen. Um zur Busstation in Bogota zu kommen, haben wir uns mal wieder ein UBER genommen. Den Fahrstil des UBER Fahrers kann man mit viel Goodwill als effizient bezeichnen. Kurz vor der Busstation hielt er dann plötzlich bei einer Tankstelle, hupte ein paar Mal und rannte aus dem Auto. Als er zurück kam, lotste er uns aus dem Auto und zum Bus, den er angehalten hatte. Es stellte sich heraus, dass unser Fahrer unseren Bus bereits bei der Tankstelle erkannt und für uns gestopt hatte. Dadurch konnten wir als allererste Fahrgäste bereits vor der eigentlich Busstation einsteigen und mussten den korrekten Bus nicht selber im Busbahnhof suchen. Wenn das mal nicht noch Service ist, da verzeihen wir unserem Taxifahrer auch gleich wieder seine kriminelle Fahrweise. 😀
Nach der Ankunft hängte sich noch eine Individualtouristin aus Singapur bei uns ein, was uns erstaunte, da Asiaten selten alleine Reise und Südamerika eher meiden. Sie erzählte uns auch, dass sie alleine durch Nicaragua gereist war. Als Dani sie auf die Unruhen ansprach, meinte sie ganz sachlich, dass die Regierung nur Einwohner töten liesse und die Touristen in Ruhe gelassen würden.
Bei der Salzkathedrale ist im Eintrittsticket auch immer gleich eine geführte Tour mit inbegriffen und es gibt sogar Touren in englisch. Unser Tourguide konnte erstaunlich gut englisch und führte unsere Gruppe (ganze 5 Touristen) ins Innere zur Kathedrale. Er war überpünktlich und lief einfach los und wir mussten ihm nachrennen, um die Tour nicht zu verpassen. Die aktuelle Salzkathedrale ist die zweite an diesem Ort. Die erste stand weiter oben, ist aber eingestürzt. Die aktuelle Salzkathedrale wurde in einem Teilbereich der Salzmine gebaut. Die Salzmine ist immer noch in Betrieb, allerdings befinden sich die aktiven Bereiche der Salzmine etwa 100m unter dem stillgelegten Bereich, in welchem die Salzkathedrale erstellt worden ist. In der Salzkathedrale gibt es sogar jeden Tag um 14 Uhr einen Gottesdienst. Auch kann man in der Kathedrale heiraten.

Für die Rückfahrt winkten wir uns an der Hauptstrasse einen Bus ran, welcher in der Frontschutzscheibe ein Schild mit „Destination Bogota“ hatte. Als wir einstiegen war der Bus bereits gut gefüllt, wir konnten nur noch im Gang stehen. Mit uns kamen dann noch einige andere Leute rein, was den Bus dann aber wirklich komplett voll machte. Der Ticketkontrolleur hat dann aber nur gemeint, wir sollen aufschliessen, da passen noch mehr Leute rein und liess immer weiter Leute zusteigen. Am Schluss fühlten wir uns wahrscheinlich so wie die Tiere in einem Viehtransport. Die Passagiere hinter uns rebellierten sogar und machten keinen Platz mehr. Sogar für Kolumbianer gibt es eine Schmerzensgrenze, was volle Busse anbelangt. Zum Glück war die Tortur nach einer Stunde zu Ende. Mit den lokalen Bussen wurden wir in Kolumbien nicht wirklich warm.

Galerie zur Salzkathedrale von Zipaquira

Bogotas Hausberg, der Monserrate

An unserem letzten Tag in Bogota wollten wir mal noch einen Überblick über die Stadt geniessen. Wir machten uns also auf zum Hausberg, dem Monserrate. Man kann den Berg zu Fuss besteigen, doch nur jeweils am Morgen oder vorzugsweise am Wochenende, da es dann mehr Leute unterwegs hat. Dies weil die Polizei nur am Morgen präsent ist. Am Nachmittag, wenn sie nicht mehr dem Wanderweg entlang patrouilliert, steigt das Risiko eines Raubüberfalls. Allerdings sahen wir dann auch ein paar Touris runterlaufen. Die Sicherheitslage verändert sich ständig und scheint in Kolumbien einiges besser geworden zu sein. Für den Aufstieg haben wir uns für die Zahnradbahn entschieden, runter ging es dann mit dem Seilbähnchen. Daniels Spiegelreflexkamera hielt uns davon ab hochzulaufen.

Vom Monserrate aus hatte man einen eindrücklichen Blick über die sich weit erstreckende Stadt. Generell war uns aber Bogota zu dunkel und hatte irgendwie nicht so das Flair wie Cartagena oder Medellin. Interessanterweise muss es aber ein Mekka für Velofahrer in Südamerika sein. Es soll viele Radstreifen geben, die sich insgesamt über eine Strecke von 100km erstrecken.

Galerie zum Monserrate

Trekking im Los Nevados Nationalpark

Strässchen in Salento

Mit Salento war unser nächster Halt in Kolumbien ein ruhiges (unter der Woche – am Wochenende sehr touristisches), sicheres Dorf. Salento liegt direkt neben dem Valle de Cocora, ein Tal, welches für seine langen, schmalen Bäume, die typisch kolumbianischen Quindio Wachspalmen, bekannt ist. Vom Cocora-Tal aus brachen wir (2 Holländerinnen, Daniel und ich) mit unseren beiden lokalen Guides auf in Richtung Los Nevados Nationalpark. Wir wollten in einem dreitägigen Trek vom Valle de Cocora auf 2400m.ü.M. zum Cerro Chispas auf 4400m.ü.M. aufsteigen.

Galerie zu Salento allgemein

Übernachtung in einer Finca auf 3400m.ü.M.

Vor und nach dem Aufstieg zum Gipfel übernachteten wir in einer Finca, einer Art Bergbauernhof. Früher wurde in der Finca vor allem Vieh- und Milchwirtschaft betrieben, unterdessen macht aber die Bewirtschaftung (Übernachtung, Nacht- und Morgenessen) der Trekkingtouristen einen grossen Teil der Einnahmen aus.
Die Finca wurde von einer kolumbianischen Familie geführt. Die Frau des Hauses, Donna Gloria, hatte aber eindeutig die Hosen an und schmiess die Verköstigung sowohl der Touris aber auch der Guides und der Rest ihrer Familie (2 Söhne und Ehemann) eigenhändig. Das Essen war einfach und sättigend. Wir bekamen jeweils eine Suppe zur Vorspeise danach Reis mit Bohnen, Kochbananen und Fleisch zum Abendessen beziehungsweise Reis mit Ei zum Frühstück. Da die Küche (mit dem mit Holz befeuerten Herd im Zentrum) der einzige beheizte und somit angenehm warme Raum war, verbrachte man entsprechend viel Zeit darin. Sei es schlicht zum Geniessen der Wärme, zum Tee- oder Kaffeetrinken oder für angenehme Gespräche mit anderen Wanderern.

Die gesamte Finca war sehr schlicht. Die Wände waren zumeist nur aus Holz, selten mal aus Beton, und das Dach bestand aus Wellblechen. Für die Nacht bekam man zwei dicke Wolldecken. Um einander ein bisschen Wärme geben zu können, schliefen Dani und ich dann auch im selben Bett. Ein bisschen mehr Wärme für ein bisschen weniger Platz – ein guter Deal.

Galerie zur Finca im Los Nevados Nationalpark

Aufstieg zum Cerro Chispas (4400m.ü.M.)

Um 7 Uhr brachen wir bei leichtem Nieselregen, der sich zum Glück nach 10 Minuten legte, auf in Richtung Gipfel. Da uns Touris die dünne Luft oberhalb von 3800m über Meer doch langsam zu schaffen machte, setzten unsere Guides ein sehr langsames Aufstiegstempo an. Vor allem einer der Holländerinnen machte die Höhe zu schaffen und sie litt unter starken Kopfschmerzen. Dani und die andere Holländerin hatten einfach leichte Kopfschmerzen wegen der Höhe. Uns kam nun zu gute, dass wir bereits drei Tage in Bogota zur Akklimatisierung an die Höhe verbracht hatten. Unser Guide erklärte uns auch, dass wir zwei Guides für das Trekking bekommen hatten, da es meistens die holländischen Flachländer waren, die am meisten Mühe mit der Höhe hatten und vorzeitig umkehren mussten. Damit wir in einem solchen Fall trotzdem weiterkönnen, haben sie uns zwei Guides gegeben. Dieses Szenario trat dann aber glücklicherweise nicht ein. Mit vielen Pausen und einer sehr gemächlichen Pace näherten wir uns stetig dem Gipfel. Nach 4 Stunden hatte dann die gesamte Gruppe den Aufstieg geschafft und wir feierten gemeinsam das Erreichen des Gipfels. Zudem hatten wir noch unverschämtes Wetterglück. Der Cerro Chispas und weite Teile des Nationalparkes waren sichtbar und wir hatten eine unglaubliche Rundumsicht vom Gipfel.

Abstieg vom Gipfel – oder – wie man trotz zwei lokalen Guides den Weg verlieren kann

Nach einem stärkenden Mittagessen (mit Reis, wie könnte es anderst sein in Südamerika) 😀 machten wir uns an den Abstieg zurück zur Finca. Normalerweise machte man den Abstieg über dieselbe Route wie für den Aufstieg. Allerdings hat einer unserer Guides gemeint, er kenne einen anderen Weg, der zuerst dem Grat entlang führt und danach durch den Wald direkt zurück zur Finca geht. Dieser neue Weg habe eine schönere Aussicht und sei auch kürzer. Wenn das mal nicht verlockend klang. Natürlich hatten wir uns für diesen neuen Weg entschieden, auch wenn unser zweiter Guide uns erklärt hatte, dass er den Weg ebenfalls nicht kannte und somit sich ebenfalls voll auf die Führung des anderen Guides verlassen musste. Damit die Touristen nicht im Hochgebirge verloren gehen, ist es übrigens verboten, im Los Nevados Nationalpark ohne einen lokalen Guide loszuziehen. Und wir hatten ja sogar zwei Guides dabei, was konnte da schon schief gehen. 😀
Wie versprochen ging es zuerst bei atemberaubender 360° Panoramasicht dem Grat entlang. Die Aussicht war wirklich kaum zu toppen und auch das Wetter spielte an diesem Tag mit. Wir hatten unterdessen einen beinahe wolkenlosen Himmel. Bereits dort aber merkte man, dass der Weg nur sehr spärlich erkennbar war. An vielen Stellen war gar kein Pfad mehr zu sehen, wir liefen einfach durch eine knietiefe Wiese auf dem Grat. Nach einer Weile ging es dann vom Grat weg, hinunter in Richtung eines Waldes. Das Runterlaufen am Hang durch die knietiefe Wiese ohne erkennbaren Weg war dann doch eher problematisch. Vor allem trug eine der Holländerinnen nur Turnschuhe und nicht richtige Wanderschuhe. Dadurch rutschte sie immer wieder weg und die Gefahr einen Fuss umzuknicken wurde immer grösser, auch weil sie doch langsam erschöpft war. Leider wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass dies noch der einfachere Teil des Weges war.
Nach der Wiese musste der Weg in einen Wald gehen, so viel wusste unser Guide offensichtlich noch. Er fand auch den Einstieg in den Wald und der Pfad darin war zwar nicht gut erhalten aber immerhin wieder ein bisschen sichtbarer als auf der Wiese zuvor. Die Freude über den Weg währte allerdings nur kurz, denn danach kamen wir wieder aus dem Wald hinaus auf eine Wiese und der Weg war genausowenig erkennbar wie auf der Wiese zuvor. Es sollte aber noch schlimmer kommen, denn kurz danach sollte der Weg wieder in einen Wald gehen, doch diesmal fand unser Guide den Einstieg zum Pfad nicht mehr. Somit begann das grosse Suchen. Zu diesem Zeitpunkt konnten wir zwar unser Tagesziel, die Finca, noch nicht sehen, doch wir wussten, dass wir noch ca. 600 Höhenmeter ins Tal runter mussten und sich die Finca weiter hinten im Tal befand. Wir waren somit nicht komplett verloren, doch einen Wanderweg zum Folgen hatten wir auch nicht.

Dani auf der Suche nach unserem Guide, der seinerseits unseren Weg suchte.

Die folgende Stunde liefen wir mal auf einem matschigen Kuhtrampelpfad, mal quer durch dichtes Gestrüpp im Wald hinunter ins Tal. Zuerst hatte unser Guide noch versucht einen Weg zu finden, doch das schien ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Offensichtlich hatte er den Weg zuletzt vor einem Jahr gemacht und seither muss der Pfad im Wald zugewachsen sein und nun konnte er ihn auch trotz intensivem Suchen nicht mehr finden. Zu diesem Zeitpunkt war die Stimmung langsam am Kippen. Vor allem hatten sie uns zu Beginn des Trekkings nur eine Einliterfasche mit Wasser gegeben und gemeint, dass sei genug für die Wanderung. Da der ursprüngliche Plan war über dieselbe Route zurückzugehen, hätte man auch nicht mehr Wasser gebraucht, da man etwa auf halbem Weg retour eine Füllmöglichkeit gehabt hätte. Da wir nun aber kurzfristig den Weg geändert hatten, fiel diese Auffüllmöglichkeit weg und die Holländerinnen hatten somit für die gesamte Tageswanderung nur einen Liter Wasser dabei. Dani und ich hatten zum Glück trotz ihrer Aussage noch zusätzlich unsere eigene Trinkflasche mit 75cl Wasser mitgenommen. Wir waren somit noch etwas bessers dran.
Querfeldein, durch Gestrüpp und Matsch und über Stock und Stein näherten wir uns langsam wieder der Finca unten im Tal. Unterdessen war die Stimmung bereits sehr getrübt (ok nein, mittlerweile waren die Holländerinnen stocksauer). Dani und ich waren einfach langsam erschöpft. Die Tatsache, dass wir nicht einem richtigen Pfad folgten, hatte uns nicht so getroffen wie die Holländerinnen, welche mit schlechteren Schuhen und weniger Ausdauer ausgerüstet waren. Da unsere Guides immer wussten, wo wir uns befanden und wohin wir mussten (wenigstens bezüglich Himmelsrichtung, wenn schon nicht bezüglich Pfad), fühlten wir uns immer sicher und es war eher ein unterhaltsames Erlebnis als eine Tortur. Aber wir konnten die Stimmungslage der Holländerinnen verstehen. Mit zu wenig Wasser und schlechter Ausrüstung (sie fielen immer häufiger hin) musste der Abstieg die Hölle gewesen sein. Natürlich bekamen unsere Guides die Stimmung mit, doch sie wirkten überfordert mit dieser ungewohnten Situation und wussten nicht wie darauf angemessen zu reagieren. Dies schien aber die Holländerinnen nur noch wütender zu machen.
Nach 9 Stunden erreichten wir schliesslich erschöpft wieder die Finca. Schade ging der Abstieg derart in die Hose. Die Guides hatten mit ihrer alternativen Route wahrscheinlich nur die besten Absichten für uns Touris. Und der Beginn des Rückweges war auch unbestreitbar wunderschön. Doch ihnen war nicht oder zumindest zu wenig bewusst, dass man mit nicht hochgebirgsgewohnten Flachlandtouris nicht einfach querfeldein und durch Matsch ohne Pfad wieder ins Tal marschieren konnte. Als dann die Stimmung endgültig kippte waren sie heillos überfordert. Schade, der Trek zum Gipfel war ansonsten ein voller Erfolg und ein atemberaubendes Erlebnis.

Galerie zum Trekking auf den Cerro Chispas

Cali – stolze Hauptstadt des Salsas

Auf dem Weg in Richtung Süden zur Grenze von Ecuador machten wir unseren letzten Stopp in Kolumbien in Cali. Die Stadt ist noch eher weniger touristisch und auch für kolumbianische Verhältnisse eine Stadt mit hoher Kriminalität. Im weltweiten Ranking der gefährlichen Städte hat sie die zweifelhafte Ehre vom 28. Rang. 

Galerie zu Cali allgemein

Free Walking Tour

Bei der unterdessen beinahe obligatorischen Free Walking Tour wurden wir zu Beginn gefragt, woran wir zuerst denken, wenn wir Cali hören. Unter dem Einfluss der Serie „Narcos“ mussten Dani und ich natürlich zuerst an das Cali Kartell und Kokain denken, aus Höflichkeit haben wir dann aber beide Salsa erwähnt. Der Guide schien sehr stolz auf Cali und ihren Ruf als Haupstadt des Salsas zu sein. Immer wenn ich etwas in Richtung Kriminalität oder der schlechten wirtschaftlichen Situation gebohrt habe, hatte er abgeblockt und wurde sehr wortkarg. Alles in allem war die Walking Tour nicht schlecht, doch auch hier vermissten wir etwas die Offenheit, welche der Tourguide in Medellin hatte. 

Unser Guide in Cali hatte uns versucht mit lustigen Geschichten die schöne Seite von Cali näher zu bringen. Wir hätten aber lieber auch etwas über die offensichtlichen negativen Seiten von Cali erfahren (und sichtbar waren sie wirklich – in keiner anderen Stadt patrouillierte das Militär auf die Zähne bewaffnet im Stadtzentrum). Zum Beispiel liefen wir als Gruppe durch ein Gebiet, in welchem er uns lustige Geschichten zu verschiedenen Gebäuden erzählte. Erst nach meinem gezielten Nachbohren rückte er aber raus, dass er es keine gute Idee finden würde, wenn wir nun am Abend alleine nochmals in dieses Gebiet zurückgehen, da es für einzelne Touris nicht sicher ist. Diese Art von Information hätte ich mir aber erwünscht, ohne dass ich ihm mehrmals unangenehm auf die Füsse stehen muss. Stolz auf die eigene Heimat ist sehr wichtig, doch zu denken wir Touris seien blind und würden die offensichtlichen negativen Seiten nicht sehen, nur weil er sie nicht anspricht, ist naiv und dumm.

Galerie zur Free Walking Tour in Cali

5 Gänge Gourmetmenü im Restaurant Waunana

Zum Abendessen gönnten wir uns im Restaurant Waunana ein Gourmetmenü. Das Menu del Chef war ein 5-Gangmenü, welches vom Küchenchef extra für uns nach unseren Wünschen zusammengestellt wurde. Er legte dabei Wert auf die lokale Produktion und das sein Essen einen kolumbianischen Touch hat. Wir erhielten selbstgemachtes Brot (eines der besten Brote, die wir in Südamerika hatten) und verschiedene aussergewöhnliche Gänge. Bis auf einen süsssauren Salat zur Vorspeise (Gemüse gemischt mit Früchten, nicht so unser Ding) hatten uns alle sehr gut geschmeckt. Vor allem angetan hatte es uns aber ein Steinpilzrisotto. Das war exzellent, was eher aussergewöhnlich ist für Südamerika, wo sie ansonsten eigentlich nirgendwo Risotto sondern immer nur den trockenen Reis essen. Alles in allem haben wir für das 5-Gängegourmetmenü total inklusive Getränken und Kaffee 40 CHF bezahlt. Ein absolutes Gourmetschnäppchen.

Grenzübertritt nach Ecuador mit Tagesziel Quito – oder – dieselbe Reise wie von gefühlten tausenden von Venezolanern

Ipiales und Santuario Las Lajas

Mit dem Bus machten wir uns von Cali auf in Richtung Ipiales. Ipiales ist bei Touristen bekannt wegen zwei Eigenschaften. Es ist das letzte Städtchen vor der Grenze zu Ecuador und das Städtchen hat eine mächtige Kathedrale in einer Talsohle, das Santuario Las Lajas.

Bevor wir uns somit aufmachten, die Grenze nach Ecuador zu überqueren, besuchten wir also noch diese eindrückliche katholische Kathedrale. Danach ging es aber direkt weiter zur Grenze, wir wollten schliesslich heute noch weiterreisen nach Quito, welches etwa 6 Stunden Busfahrt von der Grenz entfernt liegt. Alternativ hätten wir fliegen können aber sämtliche Flüge zwischen den Südamerikanischen Ländern sind unverschämt teuer. Auch hätten wir die schöne Kathedrale verpasst.

Galerie zu Ipiales und Santuario Las Lajas

Ausreise aus Kolumbien

An der Grenze zwischen Kolumbien und Ecuador waren wir schockiert ab der schier unglaublichen Zahl von Venezolanern, welche auf ihren kolumbianischen Ausreisestempel warteten. Beim kolumbianischen Zoll (von welchem wir ebenfalls einen Ausreisestempel benötigten) gab es eine beinahe endlos lange Schlange für die Venezolaner, eine zweite Schlange für venezolanische Familien mit kleinen Kindern sowie eine dritte Schlange für alle anderen nicht Venezolanern, die Ein- oder Ausreisen wollten. Während unsere „bessere“ Schlange bereits lang war, so war die Schlange der Venezolaner definitiv schier endlos und chaotisch. Ihre Schlange windete sich über den gesamten Vorplatz. 

Es waren zwar vereinzelte Polizisten und das rote Kreuz präsent, doch die Situation war trotzdem überraschend ruhig und zivilisiert. Wahrscheinlich würden die Kolumbianer bei Unruhen einfach die Grenzen schliessen, dann sitzen die Leute definitiv hier fest, was nun wirklich niemand wollte. Für uns dauerte das Ausreiseprozedere bereits 4 Stunden (plus läppische 30 Sekunden mit dem Beamten – Pass scannen, Stempel rein, tschüss), für die Venezolaner musste es aber Tage dauern, bis sie endlich an einem Schalter ankamen. Dort wurden dann von ihnen auch diverse Dokumente geprüft (nur wenige schienen einen Pass zu haben, viele hatten nur die ID und einen Haufen A4-Seiten dabei) und viele wurden danach noch an einen Schalter für Härtefälle geschickt. Wir verstanden zwar nicht warum, doch die Ausreise aus Kolumbien schien für sie länger zu dauern als danach die Einreise nach Ecuador.

In der Warteschlange gab es natürlich wie überall die üblichen mühsamen Gestalten. So gab es die Leute, die sich (unter lauten Protesten der anderen Wartenden) reindrängelten oder die Mütter mit kleinen Kindern, die sich mit ihren Kindern wedelnd durch die Nicht-Familienschlange nach vorne drängelten. Natürlich hatten sie noch jeweils 3 Männer im Schlepptau. Die wurden dann aber immerhin wieder zurückgeschickt. Das System machte auch nicht wirklich Sinn, am Schluss kamen die drei Schlangen wieder zusammen und wurden alle von den gleichen Beamten bearbeitet.

Einreise nach Ecuador

Auf der ecuadorianischen Seite traf uns zuerst der Schock. Den Polizeibeamten, welchen wir fragten, wo sich die Schlange für Nichtvenezolaner befand, meinte desinteressiert, es gäbe nur eine Schlange und alle müssten dort anstehen. Diese eine Schlange wand sich aber beinahe ein Mal um das halbe Grenzgebäude. Nun waren wir definitiv geschockt und auch ein bisschen panisch. Denn nun konnten wir weder zurück noch vorwärts. Aus Kolumbien waren wir ausgereist und in Ecuador noch nicht eingereist. Wir überlegten uns ernsthaft, die Grenze einfach zu verlassen und uns dann am Flughafen in Quito einen Einreisestempel zu kaufen. Zum Glück war direkt vor uns aber ein kolumbianisches Paar, welches auch nicht glauben konnte, dass es keine spezielle Schlange gab. Während wir also mit der Frau in der Schlange warteten (wir kamen dort in einer Stunde einen Meter vorwärts) suchte ihr Ehemann die spezielle Schlange. Nach einer Stunde kam er zurück seine Frau holen und Dani und ich folgten ihnen im Schlepptau, um herauszufingen, wie er denn unterdessen an seinen Einreisestempel gekommen war. Es stellte sich heraus, dass man mit einem Gringopass einfach an der gesamten Schlange vorbeimarschieren konnte. Beim Eingang zum Gebäude streckte man dann dem Polizeibeamten seinen Pass unter die Nase und dieser zeigte einem den Weg zu den Schaltern, welche für Ecuadorianer und Gringos reserviert waren. Wir merkten dann, dass man die spezielle Gringoschlange von aussen nicht sieht, da sie gar nicht existierte. Es hatte 3 besetzte Schalter für die hunderten von Venezolanern und 3 ebenfalls besetzte aber absolut unbeschäftigte Schalter für alle anderen. Die Einreise dauerte dann 30 Sekunden (Was wollt ihr besuchen in Ecuador? Ah Galapagos – sehr schön, viel Spass, tschüss.) und wir kamen erleichtert mit einem weiteren Stempel im Pass wieder raus.

Endlich doch noch die Weiterreise nach Quito

Unterdessen war es 3 Uhr nachmittags und wir wollten nur noch weg von hier. In Tulcan, der grenznächsten Stadt in Ecuador, nahmen wir uns einen Bus nach Quito. Leider bewiesen wir hier, dass wir kein gutes Händchen für die Buswahl hatten. Wir erwischten einen, der zwar bereits nach 10 Minuten losfuhr, doch leider war er gefüllt mit venezolanischen Familien. Da musste sicher alle 30 Minuten irgendein Kind auf die Toilette und bis dann auch der hinderst und letzte Knochen wieder im Bus war dauerte es ewig. Wie in Südamerika üblich kamen dann immer etwa 10 Verkäufer reingestürmt und priesen ihre Produkte schreiend an. Zudem wurde unser Bus fast eine Stunde vom Militär auf Drogen kontrolliert und die Pässe aller Passagiere auf ihre Einreistempel. Ohne Stempel wären wir also nicht weit gekommen (wäre aber doch lustig gewesen, neben all den Venezolanern im Bus sind die Schweizer die illegal eingereisten im Land). Es ist wahrscheinlich unnötig zu erwähnen, dass wir unsere Entscheidung nicht von Cali nach Quito zu fliegen mehrere Male bereut haben. 😀 Nach einem langen Reisetag haben wir es dann um halb 10 Uhr nachts doch noch bis zu unserem Hotel in Quito geschafft. Abendessen gab es dann zwar keines mehr, doch wir waren einfach nur noch glücklich angekommen zu sein.

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