Einblicke in die Vielfalt von Kolumbien (Teil 1)

Einblicke in die Vielfalt von Kolumbien (Teil 1)

Reise nach Santa Marta

Nach unserem sehr entspannenden Monat in Cartagena, hiess es für uns wieder Mal packen und weiterreisen. Wir entschieden uns die Strecke nach Santa Marta (im Norden von Kolumbien) mit der Busgesellschaft Berlinastur anzugehen. Sie hatten einigermassen vernünftige Reviews und wir waren sehr hoffnungsvoll nicht einfach irgendwo am Strassenrand im Nirgendwo abgeladen zu werden.
Unsere Reise startete um 14 Uhr in Cartagena. Die erste Fahrt nach Barranquilla (etwa auf halbem Weg nach Santa Marta) ging ohne Zwischenfälle über die Bühne und wir erreichten den Busbahnhof pünktlich nach 2 Stunden Fahrt. Von dort ging es mit einem neuen Bus weiter nach Santa Marta. Leider hatten wir nach einer Stunde Fahrt unerklärlichen Stau (soll heissen: die Strasse war gesperrt und niemand wusste wieso). Da das hier Kolumbien ist und es generell nicht sonderlich viele sauber geteerte Strassen hat Vigilix user setup , gibt es bei Stau wegen zum Beispiel einem Unfall nicht eine signalisierte Umfahrung, sondern man muss einfach warten, bis die Autos vor einem wieder weiterfahren. In unserem Fall dauerte das ca. 1 Stunde. Somit noch alles im grünen Bereich, wir sollten immer noch um etwa 19 Uhr ankommen. Leider gab es dann immer wieder Stau unterwegs und schliesslich erreichten wir unseren finalen Stopp in Santa Marta erst um 20:15 Uhr. Der finale Stopp war aber keine Busstation, sondern unser Fahrer hat dann einfach mal in der Nähe des Stadtzentrums am Strassenrand geparkt und uns erklärt, dass dies der finale Stop ist und wir hier sind. Er hat uns dann in ein Taxi verfrachtet, welches uns nach einer 5 minütigen Fahrt tatsächlich auch wirklich beim gebuchten Hotel abgeladen hat.

Paket in die Schweiz – Versuch Nummer 2

Bis zum Start unserer geplanten Trekkingtour zur verlorenen Stadt hatten wir noch einen Tag Pause und wollten den unterschriebenen Mietvertrag unserer neuen Wohnung ab Mitte September in die Schweiz schicken lassen. Nach unserer positiven Erfahrung mit einem Paket, welches wir aus Cartagena in die Schweiz geschickt haben und das zwei Wochen später auch tatsächlich ankam, waren wir wahrscheinlich etwas naiv. Auf jeden Fall haben wir nicht nach einer offiziellen Quittung gefragt, sondern uns mit dem handgeschriebenen Zettel unserer Sendungsnummer begnügt. Als wir dann online auch nach einer Woche noch nichts finden konnten, waren wir dann schon etwas stutzig, aber zu diesem Zeitpunkt war es dann halt bereits zu spät. Diese 65‘000 COP (ca. 22 CHF – normaler Brief in die Schweiz kostete 8.50 CHF) hatten wir eindeutig in den Sand gesetzt. Aber ja, man lernt nie aus, das nächste Mal fragen wir wieder nach einer offiziellen Quittung. 😀

Galerie zu Santa Marta

Trekking zur verlorenen Stadt (Ciudad Perdida) in der Sierra Nevada de Santa Marta

Santa Marta war für uns die Ausgangsstadt unserer geführten Trekking Tour zur Ciudad Perdida, der verlorenen Stadt im Sierra Nevada Gebirge. Nach Internetrecherche haben wir uns für die Reiseagentur Expotur entschieden und das sollte sich als sehr gute Entscheidung entpuppen. Bei der geführten Tour musste man einzig seine persönlichen Gegenstände inklusive Trinkwasser mittragen. Jede Gruppe von 10 Touristen hatte seinen eigenen lokalen Guide und einen Übersetzer. Luis, unser Übersetzer, war ein angehender Zahnarzt, der während seiner studiumsfreien Zeit als Übersetzer bei Expotur arbeitete. Unsere Gruppe war sehr multinational, wir hatten neben uns noch Amerikaner, Deutsche, Belgier, Franzosen, Norweger und sogar eine Kolumbianerin. Einheimische waren sehr selten zu sehen, sie wurde aber wahrscheinlich von ihrem amerikanischen Mann zu dieser Tour überredet. Er trug dann auch 80% ihres Gepäcks. 😀 Mit unserer Gruppe starteten an diesem Tag auch noch zwei andere Zehnergruppen von Expotur. Wir nächtigten alle in den gleichen Unterkünften und teilten uns Personal, welches unseren Abfall und das Essen beförderte, ausserdem (sehr wichtig!!) hatten wir einen Koch mit dabei, welcher für uns Frühstück, Mittagessen und Abendessen zubereitete. Zusätzlich wurde uns bei jedem Stop behandeltes Trinkwasser zum Füllen unserer Flaschen angeboten. Zu unserer Überraschung schafften wir es tatsächlich ohne Durchfall wieder aus dem Dschungel! Die kleinen Freuden des Lebens. 😀

Tag 1: Im Angesicht unseres Schweisses

Die Viertageswanderung begann mit einer 4×4 Fahrt zum Dorf El Mamey, welches als Start- und Endpunkt unserer Wanderung zu Fuss diente. Während die ersten beiden Stunden über geteerte Strassen gingen, wurde es in den folgenden beiden Stunden sehr holprig. Über Stock und Stein ging es tiefer hinein in das Sierra Nevada Naturreservat. An diesem ersten Tag war die Wanderung zwar nur kurz (ca. 4 Stunden), doch schon in der ersten halben Stunde mussten wir merken, dass die Wanderung eine sehr feuchte Angelegenheit werden wird. Bereits nach 30 Minuten waren wir komplett schweissdurchnässt, von Kopf bis Fuss und bis auf die innersten Lagen unserer Unterwäsche. Im Camp gab es dann glücklicherweise eine Dusche. Die war super angenehm, auch wenn sie eiskalt war. In jedem Camp hatten wir Betten zum Schlafen und jedes Bett hatte sein eigenes Mückennetz. Darin war man sicher vor Mücken, Spinnen und was sonst noch so alles rumkriecht in einer Dschungelnacht. (Und nein, ich habe mich nie während der Nacht unter dem Schutz des Mückennetzes hervorgewagt. Die Toilette musste dann halt bis zum nächsten Morgen warten.)

Tag 2: Langer Aufstieg zum Camp 3 am Fusse der verlorenen Stadt

Am nächsten Tag (wie auch in den beiden folgenden Tagen) war für uns die Tagwache um 5 Uhr, Frühstück wurde um 5:30 Uhr serviert und Abmarsch war um 6 Uhr in der Früh. Damit sollte der heisseste Teil des Tages umgangen werden. Ausserdem war für den Nachmittag des zweiten Wandertages Regen in den Bergen angesagt, was unsere letzte Flussquerung einiges schwieriger machen würde. Deshalb wollte unser Guide so früh am Nachmittag wie möglich diese Flussquerung hinter uns bringen. Nach einem langen Aufstieg und einem noch längeren Abstieg (den mussten wir am vierten Tag wieder hinauf…) erreichten wir um etwa 9 Uhr Camp 2. Camp 2 war dann unsere Unterkunft für die dritte und letzte Nacht im Dschungel. An diesem Tag aber hatten wir dort nur einen kurzen Zwischenstop für einen Snack und ein kühles, erfrischendes Bad im Fluss. Weiter ging es über eine Hängebrücke, bevor dann der eigentliche, zweistündige Monsteraufstieg des Tages beginnen sollte. Bei diesem Teilstück der Wanderung lief uns der Schweiss nur so in Strömen runter. Auf der Spitze angekommen, stellten wir überrascht fest, dass das kolumbianische Militär dort (Mitten im Urwald und knapp 2 Tagesmärsche von der Zivilisation entfernt) eine Patrouille stationiert hatte. Einen abgelegeneren Ort zum Bewachen findet man wahrscheinlich nicht häufig. Für uns ging es nach ein paar erfrischenden Früchten weiter Richtung Flussquerung und Camp 3. Die Flussquerung verlief für uns ohne Zwischenfall, der Fluss kam uns maximal bis zu den Knien. Camp 3 erreichten wir dann um 13:30 Uhr und es freuten sich alle auf ein kühles Bad im Fluss sowie das verdiente Mittagessen. Um etwa 15 Uhr hat es dann tatsächlich angefangen zu regnen und es ging nicht lange, da schwoll der Fluss auf mindestens das Vierfache der Höhe an, mit der wir ihn überquert hatten. Während wir den Nachmittag im Trockenen im Camp genossen, erreichten im strömenden Regen immer noch neue Wanderer das Camp. Die allerletzten schafften es sogar erst um 19 Uhr zum Camp 3. Das heisst, sie mussten die letzte Stunde im Dunkeln wandern. An eine Flussquerung war nach Beginn des Regens auch nicht mehr zu denken. Die Wanderer mussten mit ihrem Gepäck in einer von Muskelkraft betriebenen „Gondel“ (sah in etwa so aus wie in den schweizer Alpen eine einfache Gondel aus Holz für Materialtransport) über den Fluss gezogen werden.

Tag 3: Besuch in der Ciudad Perdida

Camp 3 war nur einen Kilometer von der verlorenen Stadt entfernt. Bis zum folgenden Morgen war auch der Fluss wieder zurückgegangen und wir konnten die zweite Flussquerung, am Fusse der Treppe, welche zur verlorenen Stadt hinaufführt (1200 Treppenstufen!!), ohne Probleme queren. Bei der verlorenen Stadt mussten wir feststellen, dass alle Guides lange Hosen trugen und noch einen langärmligen Pullover dabei hatten. Bei diesem tropischen Wetter trugen natürlich alle Touris kurze Hosen und T-Shirt, auch hatte uns kein Guide darauf hingewiesen noch etwas anderes mitzubringen. Wir wurden dementsprechend von den Horden von Moskitos bei lebendigem Leib gefressen.

Die verlorene Stadt war sehr eindrucksvoll. Der grösste Vorteil von dieser Ruinenstadt ist seine mühsame Zugänglichkeit. Man kann sie nur zu Fuss über den Mehrtagestrek erreichen. Das heisst, es hatte zwar schon einige Leute dort, aber es war lange nicht komplett überlaufen und man konnte doch auch Fotos ohne andere Touristen drauf schiessen. In der verlorenen Stadt selber befindet sich dann auch nochmals ein Stützpunkt des kolumbianischen Militärs. Wahrscheinlich dienen beide Stützpunkte zur Abschreckung der Guerillagruppen und Drogendealern. Von unserem Guide lernten wir dort, dass die verlorene Stadt jedes Jahr im ganzen Monat September für Touristen geschlossen bleibt. In diesem Monat vereinigen sich dann die vier Ureinwohner Stämme der Sierra Nevada (u.a. Cogi und Wiwa) und reinigen die verlorene Stadt von Müll und schlechter Energie.
Wir liefen an diesem dritten Tag noch zurück zum Camp 3 für unser Mittagessen und danach weiter zurück runter zum Camp 2 zur Übernachtung. Das Abwärtslaufen stellte sich als einiges mühsamer heraus als das Hochlaufen. An diesem Abend haben uns die Knie richtig gezittert. Zur Erholung haben wir uns am späteren Nachmittag bei der Ankunft im Camp 2 nochmals ein Bad im Fluss gegönnt. Dies war eine unserer dümmeren Ideen. Da es so schön kühl war, hielten wir uns einige Zeit im Wasser und am Flussufer auf. Wir mussten dann am nächsten Tag mit Schrecken feststellen, dass unsere Füsse, Knöchel und Unterschenkel mit Bissen von Sandflöhen und auch ein paar weiblichen Sandflöhen übersät waren. Die weiblichen Sandflöhen beissen nicht nur, sondern bohren sich direkt selber in die Haut. Diese Bisse juckten einiges mehr als simple Mückenstiche.

Nach dem Abendessen hatte wir noch das Glück, dass sich ein Mamo (Stammesoberhaupt der Cogi, ein Ureinwohnerstamm der Sierra Nevada) in der Nähe unseres Camps befand und sich bereit erklärte, uns etwas über den Alltag und den Glauben der indigenen Bevölkerung zu erzählen. Für die Indigene Bevölkerung sind wir (Leute nicht aus der Sierra Nevada) die kleinen Geschwister, die nicht wissen, was sie tun und Mutter Erde (Pachamama) zerstören. Die Cogis haben drei Gottheiten: Mutter Erde, Vater Sonne und den Erschaffer von Erde und Sonne. Die beiden höchsten Bergspitzen der Sierra Nevada (Pico Bolivar und Pico Cristobal Colon) dienen der Indigenen Bevölkerung als Antennen, mit denen sie die guten und schlechten Energien aus der restlichen Welt empfangen. Momentan erhalten sie aber vor allem schlechte Energien von uns. Die einzelnen Stämme sind Nomaden und leben über ein weites Gebiet verteilt. Die Familien der einzelnen Stämme treffen sich nur für bestimmte Ereignisse, zum Beispiel religiöse Feste. Die indigene Bevölkerung in Kolumbien zahlt keine Steuern und sie dürfen gratis an der Universität studieren. Ab und an geht ein Mitglied eines indigenen Stammes zur Universität, aber es wird vom Stamm erwartet, dass er wieder zurückkehrt. Unser Übersetzer (Luis, der angehende Zahnarzt) hat uns weiter erklärt, dass die Ureinwohner bei Bedarf von Ärzten medizinisch versorgt werden. Ausserdem arbeitet er an einem Projekt, in welchem eine auf Kohle basierende Zahnpasta entwickelt wird. Damit versucht man die weitverbreiteten Zahnprobleme der Ureinwohner in den Griff zu bekommen.

Tag 4: Zurück in der Zivilisation

Am vierten Wandertag hiess es zum letzten Mal aufstehen um 5 Uhr und Abmarsch um 6. Nun ging es die ersten beiden Stunden den langen Steilhang hinauf, den wir am zweiten Tag so gemütlich hinabmarschieren durften. Danach hatten wir aber den schlimmsten Teil des Tages bereits überstanden. Nach etwa 5 Stunden wandern kamen wir gegen die Mittagszeit wieder im Dorf El Mamey an. Dort gab es noch ein letztes Mittagessen, bevor wir mit 4×4 Geländewagen zurück nach Santa Marta gebracht wurden.
Die Highlights dieses letzten Wandertages waren eindeutig die Dusche, die frischen Kleider sowie das angenehm saubere Bett, von dem man sicher sein konnte, dass es frei von Bettwanzen, Flöhen und anderen Kriechtieren war. 😀
Die Trekking Tour zur verlorenen Stadt war ein tolles, einmaliges aber auch sehr anstrengendes Erlebnis und definitiv ein Höhepunkt unserer Rundreise durch Kolumbien. Wir waren wahrscheinlich aber auch ziemlich glücklich mit dem Wetter. Wir wurden in diesen vier Tagen beim Wandern nie verregnet und auch der Wanderweg war nirgends so matschig, dass wir unsere Wanderschuhe komplett mit Dreck ruiniert hätten.

Galerie zum Trekking zur verlorenen Stadt

Medellin – die ehemals gefährlichste Stadt der Welt

Nach einem Ruhetag in Santa Marta ging es mit dem Flugzeug weiter nach Medellin. An die Distanzen in Kolumbien muss man sich als Europäer und vor allem als Schweizer erst mal gewöhnen. Was auf der Karte den Anschein macht relativ nahe beineinander zu liegen, kann in Realität dann halt trotzdem eine 10 stündige Busfahrt sein (Beispiel der Zeit, die ein Bus von Medellin nach Bogota braucht). Die Busfahrt von Santa Marta nach Medellin hätte 17 Stunden gedauert, der Flug kostete zwar etwa 55 CHF mehr als der Bus, doch das 100 CHF Investment pro Person war uns die 16 Stunden Zeitersparnis eindeutig wert.
Medellin ist bekannt als die Stadt des ewigen Frühlings. Da Kolumbien so nahe beim Äquator ist, haben sie generell nirgends wirklich verschiedene Jahreszeiten, sondern das ganze Jahr durch dieselbe. Cartagena ist in diesem Fall die Stadt des ewigen Sommers und Bogota hat ewigen Winter. Man darf sich das allerdings nicht wie bei uns vorstellen. Als wir hörten, dass es in Medellin ewigen Frühling gibt, haben wir uns nach der tropischen Hitze in Cartagena auf angenehme Frühlingstemperaturen um die 20°C gefreut. Wir mussten dann feststellen, dass auch ein ewiger Frühling in Kolumbien so Temperaturen um die 30°C hat.

Bandeja Paisa bei Mondongos

Am Abend nach unserer Ankunft wollten wir etwas traditionelles von Medellin essen und machten uns auf die suche nach einem kolumbianischen Restaurant. Das ist übrigens gar nicht so einfach im Touristenviertel. Anscheinend bevorzugen die meisten Touris Gringo-Essen (also Pizza, Pasta und Hamburger). Wir haben dann doch noch ein traditionelles Lokal gefunden: Mondongos. Zurück im Hotel haben wir dann herausgefunden, dass der Name auf gut deutsch so viel wie Innereien bedeutet. Wäre unser Spanisch ein bisschen besser gewesen, wir hätten wohl nicht dort gegessen. 😀 Eine typische Speise aus Medellin ist Bandeja Paisa. Das Gericht besteht aus: Bohneneintopf, Reis, Arepa (eine Art Brot aus Mais), Avogado, Patacones (frittierte Kochbananen), Schweineschwarte und Rindfleisch. Es klingt nach sehr viel und das ist es auch. Einer unserer Tourguides hat gemeint, man soll es als Herausforderung sehen, alles selber zu essen.

Graffiti Tour durch Communa 13

Unser erster Ausflug in Medellin führte uns in die berühmt berüchtigte Communa 13. Während Medellin selber die ehemals gefährlichste Stadt der Welt ist, so ist die Communa 13 das ehemals gefährlichste Viertel der Stadt. Das Viertel ist eine ehemalige Hochburg der Guerillagruppe FARC. Das kolumbianische Militär benötigte 21 Einsätze um das Viertel unter die offizielle Herrschaft des Staates zu bringen. Dies gelang erst mit einem sehr brutalen und blutigen Manöver im Jahr 2002. Dabei hatte das Militär sogar zwei Blackhawks (Kampfhelikopter) im Einsatz. Um das Gebiet attraktiver und sicherer zu machen, wurden Rolltreppen gebaut. Damit können die Leute, welche in den höheren Lagen des Viertels wohnen, einfacher einer Arbeit in der Stadt nachgehen. 

Auch liess die Regierung Verbindungswege bauen und die bestehenden Wege verbreitern. Dadurch sollen frühere Grenzen verwischt, die Zugänglichkeit ins Viertel verbessert und somit Bandenkriege vermindert werden. Ferner wird gratis Farbe an die Bevölkerung verteilt. Die einzige Bedingung, damit man diese Farbe erhält, ist, dass man mit seinen Nachbarn gemeinsam das Haus bemalt. Damit soll der Zusammenhalt und der Frieden im Viertel weiter gestärkt werden. Auch haben internationale und nationale Künstler, finanziert durch die Stadt und Unternehmen, verschiedene Gebäuden mit Graffitis bemalt, um das Viertel auch zu einer Touristenattraktion zu machen. Mit dem Geld, welches die Touranbieter verdienen, werden Hip Hop- und Mal-Programme finanziert, mit welchen man versucht die Kinder von der Strasse und aus der Kriminalität zu holen. Natürlich ist heute nicht alles friedlich und seelig. Während unserer Zeit in Medellin war wieder neue Bandengewalt aufgeflammt. Durch den Tag und in einer geführten Tour war die Region rund um die Rolltreppen noch immer sicher, doch es wurde einem davon abgeraten, alleine tiefer ins Viertel zu gehen und man sollte sich definitiv nicht während der Nacht dort aufhalten.

Galerie zur Graffiti Tour

Real City Free Walking Tour

Da wir auch noch etwas über die Kultur und Geschichte der restlichen Stadt erfahren wollten, haben wir uns am nächsten Tag einer Free Walking Tour angeschlossen. Diese Tour hatte auf Tripadvisor geniale Reviews und sie konnte auch uns auf der ganzen Linie überzeugen. Wir haben nun schon einige Free Walking Tours in verschiedenen Ländern und Städten gemacht, doch wir haben noch nie so offene, ehrliche und doch differenzierte Informationen erhalten.

Falls mal jemand nach Medellin gehen sollte, diese Walking Tour (durchgeführt von Real City Tours) können wir von ganzem Herzen empfehlen. Unser Guide, Milo, ist gelernter Bioingenieur und hat seine Karriere pausiert, um Touristen die Politik, Geschichte und den Alltag der Kolumbianer näher zu bringen. Er war selber bereits als Rucksacktourist in Europa unterwegs und wusste sehr genau, was Touristen von einer solchen Tour erwarteten. Auch war er extrem versiert mit seinen Präsentionstechniken und wusste alle Wartezeiten sinnvoll zu überbrücken. Die 4 Stunden der Tour vergingen wie im Flug. Von ihm lernten wir, dass die Bevölkerung von Medellin extrem stolz auf ihre Metro ist. Immerhin ist es die einzige in ganz Kolumbien und sie wurde während der schwierigsten Zeit für die Stadt gebaut. Die Leute wurden erzogen, dass man nicht schwarz fahren darf, man darf weder essen noch trinken in der Metro und auch vandalieren ist verboten. Im Gegensatz zum Verhalten von einigen Schweizern in der SBB halten sich ausnahmslos alle Kolumbianer an die oben genannten Regeln und die Metro ist in einem unglaublich sauberen Zustand. Von ihm hörten wir nochmals, was wir bereits in Cartagena und Santa Marta festgestellt hatten. Die Kolumbianer nerven sich, dass ihr Land in westlichen Ländern nur für seine Kriminalität und die Drogen bekannt ist. Sie sind empört darüber, dass alle Touristen Pablo Escobar, den berühmt berüchtigten Drogenbaron, kennen, aber nur die wenigsten haben je von Gabriel Garcia Marquez gehört, einem Schriftsteller, der für sein Werk „Cien Años de Soledad“ den Nobelpreis für Literatur erhielt. Und ich stimme ihnen da absolut zu. Kolumbien ist zwar noch nicht auf dem Sicherheitslevel von westlichen Staaten, doch das Land auf Kriminalität und Drogenhandel zu reduzieren tut ihm mehr als Unrecht. Das Land hat eine unglaubliche Vielfalt an verschiedenen Landschaften, sei es das Karibik Flair im Norden, die Panoramen der Andenhochgebirge rund um Medellin und Bogota oder der Amazonas im Südwesten des Landes. Egal was einem gefällt, in Kolumbien kann man es in irgendeiner Ecke des Landes finden. Uns haben es besonders auch die Bewohner von Kolumbien angetan. Die Leute sind (zumindest in den allermeisten Fällen und Ausnahmen wie zum Beispiel der Postmitarbeiter von Santa Marta bestätigen ja bekanntlich die Regel) ;D zuvorkommend und freundlich. Und sie sind sehr glücklich, dass man als Tourist ihr Land besucht, und sie auch extrem stolz, wenn man ihnen sagt, dass es einem in Kolumbien gefällt. Mich hat aber vor allem noch erstaunt, dass unsere Generation der Kolumbianer uns in der Denkweise äusserst ähnlich ist. Während frühere Generationen noch die typische Rollenverteilung verinnerlicht hatten, so ist es für die jüngeren Generationen heute selbstverständlich, dass auch die Frau ein Studium absolviert und danach arbeiten geht. Auch sind sie sich der Probleme, wie zum Beispiel der Korruption, bewusst, doch ist es schwierig für sie, daran etwas zu ändern.

Galerie zur Real City Free Walking Tour

Kaffeefarm „Los Alpes“

Nach so viel Kultur und Geschichte wollten wir uns an unserem letzten Tag in Medellin noch einem leichter verdaulichen Thema widmen. Wir besuchten also eine Finca Cafetera, eine Kaffeefarm. Die Farm auf über 3000m.ü.M. wurde von einem Österreicher gegründet und hiess „Los Alpes“. Unterdessen wird die Farm von einer kolumbianischen Familie geführt und produziert zertifizierten Bio-Fairtrade Kaffee.

In der Hochsaison haben sie jeweils bis zu 70 Angestellte zum Pflücken der Kaffeebohnen. Wir durften nach der Führung durch die Felder und Verarbeitungsanlagen Kaffee mit verschiedenen Röststufen und Zubereitungsarten degustieren. Uns wollte aber beiden das typische Schlürfen der Kaffeedegustation nicht so richtig gelingen. 😀 Geschmeckt hat uns der schwach geröstete Kaffee am besten, da er weniger bitter ist. Sie haben uns dann erklärt, dass schwach gerösteter Kaffee meist von höherer Qualität ist, als stark gerösteter. Denn mit der Röstung verliert der Kaffee an Geschmack und wird bitterer und das will man bei Kaffee mit hoher Qualität und feinem Eigengeschmack unbedingt vermeiden während dies genau das Ziel ist bei Kaffee von schlechter Qualität. Hellwach und glücklich fuhren wir an diesem Nachmittag zurück nach Medellin.

Galerie zum Besuch bei der Kaffeefarm „Los Alpes“

Am folgenden Tag ging es weiter mit dem Bus (11 Stunden!) in die Hauptstadt Bogota. Medellin hat uns von den kolumbianischen Städten am besten gefallen. Die Stadt ist schön gelegen im Tal, nicht riesig, nicht so tropisch wie Cartagena und besitzt einen Charm, den wir in Bogota vermisst haben.

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