Das legendäre Great Barrier Reef

Das legendäre Great Barrier Reef

Nach 4 Stunden preiswerten Fluges kamen wir am Morgen um 6 Uhr in Cairns an. Natürlich waren wir ziemlich zerstört aber wir konnten noch nicht einchecken, so genossen wir halt im Halbschlaf zwei riesige Kaffees beim Flughafen. Wir suchten dann vergebens einen öffentlichen Bus ins Stadtzentrum und für die Information am Flughafen war es auch noch zu früh. Um 8 Uhr entschieden wir, dass es nicht mehr zu früh war bei unserem Gastgeber vorbeizuschauen und bestellten uns ein Uber. Dort angekommen kam eine nette, etwas korpulente und völlig unkomplizierte Chinesin raus und wir konnten unser Gepäck unterstellen. Zuvor hatten wir schon per Mail Kontakt, da sie uns aufforderte eine Banküberweisung zu machen, da sie sonst unser Zimmer wieder stornieren würde. Nadja konnte sie überzeugen, dass wir wirklich vorbeikommen würden und in Bar zahlen. Sie eröffnete uns, dass unser Zimmer noch belegt sei aber um 12 Uhr sei Checkout, dann können wir rein (laut Booking hätten wir um 9 Uhr rein können aber um 15 Uhr ist Checkout – wait a moment ?!?). Glücklicherweise waren wir darauf mental vorbereitet und liessen unser Gepäck dort. Nach einem 30 minütigen Spaziergang kamen wir in Cairns Downtown an. Auch Australien ist nicht wirklich fussgängerfreundlich und teilweise muss man Hauptstrassen überqueren oder besser darüber rennen. Das ist besonders beruhigend, wenn die Autos noch von der „falschen“ Seite kommen. Im Zentrum genossen wir ein kleines Frühstück und spazierten ein bisschen herum. Wir gingen noch bei unserer Tauchflotte vorbei, mit der wir 3 Tage auf See sein werden. Ein wortkarger Deutscher liess uns mehrere Waiver (Verzichtserklärungen) unterschreiben, so dass wir sie im Todesfall auch sicher nicht verklagen würden. Wir konnten gleich noch unser Material anprobieren (ausser den Neopren). Er glaubte mir leider nicht beim Neoprenanzug und schrieb die kleinere Grösse auf, da sie sowieso mehrere an Board hätten. Am Hafen schauten wir uns noch unser Tachboot an und gingen dann gemütlich zur Unterkunft zurück. Leider war das Zimmer auch um 14 Uhr noch nicht bezugsbereit, da der andere Gast auf seiner Checkoutzeit von 15 Uhr bestanden hatte (was sie vergass, da sie das Zimmer auf mehreren Plattformen mit unterschiedlichen Regelungen ausschrieb). Völlig im Stress lud sie uns in ihr Wohnzimmer ein und befahl ihrem australischen Mann uns Kaffee zu machen und uns Gesellschaft zu leisten während sie das Zimmer reinigte. Ihn zu verstehen erforderte unsere maximale Konzentration (ältere Australier nuscheln und haben einen extrem starken Akzent). Er erzählte uns seine ganze Lebensgeschichte und wie er in China gelebt habe und Ping, seine chinesische Frau, durch Zufall kennengelernt hatte. Es schien als spazierte er durchs Leben, machte was ihm Spass bereitete und hatte immer Glück und es kam alles blendend heraus. Entweder hatte er wirklich viel Glück oder er war nicht so unbedarft, wie er sich gab. Als er Chrömli suchte und sie nicht fand, meinte er nur, dass er eigentlich nichts wisse und seine Frau alles regelt. Wenn er nach China reiste, suchte er jeweils irgendeinen Punkt auf der Karte und ging dahin. Durch das Netzwerk seiner Frau hatte er auch immer jemanden, der auf ihn aufpasste, und er kann immer noch kein Wort chinesisch. Trotzdem würde er lieber in China leben, aber Ping gefällt Australien besser.
Tags darauf wollten wir uns noch eine Unterwasserkamera mieten, da Fotos aus unserer Gopro zu extrahieren nicht die gewünschte Qualität brachte. Wir gingen beim günstigsten Händler vor dem Hafen vorbei, der so enthusiastisch war, dass er uns bereits nach 5 Minuten überzeugt hatte. Trotzdem schwärmte er noch eine halbe Stunde vor uns über Unterwasserfotografie und erklärte uns, was wir tun müssen. Er arbeitete früher auch auf unserem Tauchboot und gab uns noch Tipps dazu. Am Abend wollten wir früh schlafen gehen, da wir Tags darauf vor 6 Uhr Morgens beim Treffpunkt sein mussten. Natürlich schafften wir es dann mit dem Packen doch nicht vor 12 Uhr ins Bett.
Zu früh gings los und wir sassen mit anderen zombieartigen Gestalten im Bus, bis ein Amerikaner Klischée getreu „Good morning! “ beim Zusteigen in den Bus verkündete. Charmant machte er uns darauf aufmerksam, dass wir den Bus besser von hinten gefüllt hätten damit das Einsteigen einfacher gewesen wäre: „Thanks for saving us the best spots“. Beim Boot angekommen wurde gleich alles verladen und wir konnten im stehenden Boot ein Morgenessen geniessen und bekamen bereits die wichtigsten Informationen. Wir waren 32 Leute (sehr viel für so ein kleines Boot) und die Fahrt würde 3.5h zum Outer Reef (das äussere Riff) dauern. Wir sollen noch Übelkeitstabletten nehmen, aber jedes Mal müssten sich sowieso ein paar Übergeben. Dafür hatten sie kompostierbare (im Wasser) Tüten dabei, die nach dem Füllen etwa 20 Sekunden hielten und danach schnell ins Wasser geworfen werden sollten. Auch solle man aufpassen, dass man sie nicht gegen den Wind schmeisst, sonst kommt alles zurück. Weiter sei es nicht schlau, sie vom Oberdeck runterzuwerfen, da es sonst jemanden vom Unterdeck treffen könnte. Das sei alles schon passiert. Zum Glück hatten wir schon gegessen. 🙂 Die Crew schien ziemlich witzig zu sein und es machte bereits Spass. Nachdem jeder eine Sicherheitsnummer bekam, die wir uns merken mussten, fanden sie heraus, dass sie das falsche Blatt verwendet hatten. Diese Nummer wurde vor jedem verschieben des Bootes 2x geprüft, damit niemand zurückgelassen wurde. Dies war vor 20 Jahren Mal passiert und die 2 Vergessenen nie mehr gefunden (Open Water ist ein dramatisierter Film darüber).
Als grosser Tierfreund spendete ich während der Überfahrt mehrmals mein halb verdautes Essen trotz Übelkeitstablette den Meerestieren. Die Crew war bestens vorbereitet und eine Tauchlehrerin nahm neben mir Platz und ich bekam immer wieder eine neue Papiertüte. Nadja ging es auch nicht gut aber sie hielt sich besser. Endlich angekommen mussten wir uns bereits parat machen. Natürlich war mein Neopren zu klein was mein Atmen erschwerte und mich nochmals zum Übergeben brachte. Die grössere Grösse war zuerst nicht verfügbar aber sie trieben dann trotzdem einen auf. Sonst hätte ich als Gfrörli ohne Neopren tauchen müssen, was das Tauchen sehr unangenehm macht. Als Novum mussten wir ohne Guide tauchen, was uns ziemlich nervös machte. Jeder bekam einen Kompass und uns wurden wichtige Punkte erklärt und wo wir in welche Richtung schwimmen mussten. Dies klappte eher mässig und wir mussten einmal auftauchen um unser Schiff wieder zu finden. Auch ist die Planung mit dem Luftverbrauch viel schwieriger. Diese zusätzliche Schwierigkeit machte sich drastisch in unserem Luftverbrauch bemerkbar. Dennoch eine sehr gute Erfahrung und wir wurden langsam besser. Mein Respekt vor Guides ist noch grösser, da sie weniger Luft brauchen, alle rechtzeitig zurück bringen und navigieren müssen. Den zweiten Tauchgang durften wir wegen einer Migränenattacke dann frühzeitig abbrechen, welche mich noch das Mittagessen den Fischen spenden liessen. Für mich wars das vorerst mit dem Tauchen, da ich flach lag, und Nadja schloss sich beim 3. Tauchgang einem anderen Buddy an. Am Abend folgte unser erster Nachttauchgang, bei dem ich wieder halbfitt war. Diesmal bekamen wir einen Guide, kleine Leuchtstäbchen und eine Taschenlampe mit. Die Überwindung das nasse Zeugs anzuziehen war gross, aber im Wasser wars dann angenehm. Der Tauchgang war sehr spannend und man sah ganz andere Fische. Das Schiff hatte zwei grosse Lichter eingeschaltet, was kleinere Fische anzog, was wiederum grössere Fischen anzog, was noch grössere Fische (Riffhaie) anzog. Ein interessantes Schauspiel zum Abschluss des Tauchgangs.
Am nächsten Tag absolvierten wir nochmals 4 schöne Tauchgänge aber diesmal einiges entspannter, da wir keine Zeit durch eine grosse Überfahrt verloren. Die Riffe gefielen uns gut und sie waren noch grösstenteils sehr gut erhalten. Einer der Guides war ein kolumbianischer Meeresbiologe (oder sowas ähnliches) und erklärte uns, dass vor 2 Jahren die Wassertemperatur über 31 Grad gestiegen war. Dann beginnen sich die Algen aus den Korallen zu lösen und die Korallen sterben ab. In den letzten 2 Jahren wurde es aber zum Glück nicht mehr so warm und die Korallen erholen sich langsam. Wenn es in den nächsten Jahren aber nochmals so warm wird, sieht es schlecht aus, da die Korallen bereits geschwächt sind. Weiter macht der Minenabbau und die Seefahrt den Korallen zu schaffen. Beim Tauchen sahen wir viele Schildkröten und Fische (auch eine Nemofamilie) und endlich mal einen Oktopus.
Am letzten Tag waren wir bereits um 06:30 Uhr wieder im Wasser. Leider war die Sonne noch nicht so stark und auch etwas bewölkt, weshalb es schwierig war Fotos zu machen. Am Anfang sahen wir einen grossen Seegrasknäuel im Wasser und waren überrascht, dass dieser so schwebt. Beim näherkommen realisierten wir, dass es sich um einen Schwarm grosser schlafender Parrotfische handelte.
Nach 3 Tauchgängen ging es bereits wieder zurück. Bei der Rückfahrt setzte mir das Boot nicht mehr zu und auch sonst schienen es alle besser zu verkraften. Man scheint sich daran zu gewöhnen :-). Die 3 Tage waren sehr intensiv mit 10 resp. 11 Tauchgängen aber es hatte Spass gemacht. Die Unterwasserkamera hatte sich bewährt und wir konnte ein paar wenige gute Fotos machen (mehr als erwartet). Es ist erstaunlich wie nah man herankommen muss, um das Viech gross auf dem Foto zu haben. Will man zoomen, hat man zu viele Partikel im Bild und der Blitz wird reflektiert. Ohne Blitz ist es meistens zu dunkel oder die Farben kommen nicht schön. Für uns sind 4 Tauchgänge pro Tag eher zu viel und wir wären auch mit 3 mehr als happy, da man sie mehr geniesst. Für mich war es definitiv zu viel, wie sich auf Hawaii herausstellen sollte. Das Great Barrier Reef ist immer noch schön (zumindest das Outer Reef) und reich an Meerestieren. Trotzdem kann sich das in einigen Jahren sehr schnell ändern, falls sich die Gewässer nochmals erwärmen sollte.
Am gleichen Abend wollten wir uns um 17 Uhr unser Mietauto abholen. Wir waren pünktlich um 16:59 Uhr beim Büro des Vermieters aber die Tür war schon abgeschlossen. Es stellte sich heraus, dass sie um 17 Uhr schliessen und uns vergeblich versuchten zu erreichen. Glücklicherweise öffneten sie für uns nochmals und wir bekamen unser Auto doch noch. Vorher waren wir noch gemütlich einkaufen und hatten deshalb 4 volle Taschen bei uns. Nicht auszudenken, wenn wir das Auto nicht mehr erhalten hätten und 30 Minuten zurück zur Unterkunft hätten laufen müssen. Am Abend gingen wir noch aus auf ein Bier mit den Leuten vom Schiff und zu unserer Überraschung kam fast jeder und wir waren fast die letzten. Eine davon ist eine Kolumbianerin, welche uns viele detaillierte Tipps für unsere Reise nach Kolumbien gab.
Am nächsten Morgen hatten wir um 6:30 Uhr ein gratis Fitness Training im Park geplant (deshalb mieteten wir auch direkt am Abend noch das Auto), doch wir waren noch völlig zerstört und schliefen friedlich durch. Gegen 11 Uhr fuhren wir dann los Richtung Port Douglas, wo wir das Wildlife Habitat besuchen wollten. Leider oder zum Glück begann es zu regnen und es hatte ziemlich wenig Leute dort. Wir genossen den Park praktisch für uns alleine und konnten Kängurus füttern und andere heimische Tiere bewundern. Anfangs wollten wir einen Bus nach Port Douglas nehmen, aber das wäre teurer gekommen. Da lobt man sich den öffentlichen Transport in der Schweiz einmal mehr.
Am letzten Tag ruhten wir uns noch ein bisschen aus und machten uns bereit für unsere Weiterreise nach Honolulu.

Bilder und Videos zum Great Barrier Reef.

Bilder von Cairns.

Bilder vom Wildlife Habitat.

2 thoughts on “Das legendäre Great Barrier Reef

  1. Super Fotos von den bunten Fischen.
    Meine Favoriten sind aber die Eule und der Koala,
    könnt Ihr die nach Hause bringen für mich?
    Weiterhin eine interessante Zeit.
    Herzliche Grüsse
    Susi

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